Profit auf Kosten der Wissenschaft

Warum schließen sich nicht immer mehr Wissenschaftler der Open-Access-Bewegung an und veröffentlichen ihre Forschungsergebnisse in frei zugänglichen Journalen? Dann wäre es schnell aus mit den Monopolgewinnen.

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Da rollt der Rubel: Die Umsatzsteigerungen haben sich beschleunigt, die Betriebsergebnisse haben sich weiter verbessert, "and cash generation is strong" – mit diesen Worten berichtete vor kurzem der Kollege Richard Sietmann über die Bilanz der Verlagsgruppe Reed Elsvier. Das Forum schäumte – denn der ehrenwerte Verlag macht seine nicht unbeträchtlichen Gewinne größtenteils mit wissenschaftlichen Publikationen.

Nun liegt natürlich eine gewisse Ironie darin, dass ein Verlag mit der Meldung, dass ein anderer Verlag viel Geld verdient, Geld verdient - denn die in die Höhe schnellenden Zugriffszahlen auf heise online generieren natürlich Werbe-Umsätze. Und ein Geschäft, das der aufrichtige Netzbürger wirklich aus tiefstem Herzen verachtet, ist die Werbebranche.

Aber - so können wir aus dem Bericht weiter lernen - schon die EU-Kommission hat in einer kürzlich veröffentlichten Studie darauf hingewiesen, "dass sich auf dem Markt für Forschungsveröffentlichungen monopolartige Strukturen herausgebildet haben, bei denen einige Großanbieter die Preise und Konditionen für den elektronischen Zugang diktieren können".

Warum ist das so? Natürlich ist für die wissenschaftliche Karriere ein Artikel in einem renommierten wissenschaftlichen Journal immer noch Gold wert. Aber auf der anderen Seite gibt es doch die chronisch leeren Kassen in den Universitäten. Warum schließen sich nicht immer mehr Wissenschaftler der Open-Access-Bewegung an und veröffentlichen ihre Forschungsergebnisse in frei zugänglichen Journalen oder auf institutionellen Publikationsservern? Dann wäre es schnell aus mit den Monopolgewinnen.

Ich behaupte: Die Erklärung für dieses scheinbar paradoxe Verhalten liegt in der Organisationsstruktur des Wissenschaftsbetriebes begründet. Und in diesem Betrieb geht es nicht um den reinen Erkenntnisgewinn - es geht darum dazu zu gehören, zu einer kleinen, exklusiven Gruppe.

Nehmen wir Prüfungen. Mündliche Prüfungen, wie sie hierzulande an Universitäten durchaus üblich sind, sind weder objektiv, noch reproduzierbar. Also sind sie eigentlich nicht wissenschaftlich. Dennoch gelten sie als Eintrittskarte in die wissenschaftliche Gemeinschaft - eine Art Initationsritus. Ähnliche Beispiele lassen sich viele finden - an denen sichtbar wird, wie irrational sich die Gemeinschaft von studierten, intelligenten, rationalen Wahrheitssuchern in der Regel verhält. Und Artikel in renommierten wissenschaftlichen Publikationen sind eben Statussymbole. So lange sich an der Bewertung dieser Symbole nichts ändert, muss sich ein Verlag wie Reed Elsvier keine Sorgen machen. (wst)