Flirrende Luft
Auch menschliche Köpfe funktionieren nur innerhalb der zulässigen Betriebstemperaturen. Und diese Parameter werden im Moment eindeutig nicht eingehalten.
Ausgerechnet jetzt, wo endlich wieder Sommer ist, allerorten die groĂźen Ferien anfangen - oder schon angefangen haben - versuchen diverse Presseabteilungen mehr oder minder unschuldige junge Menschen zum Studium von Naturwissenschaft und/oder Technik zu verfĂĽhren. Mit den absonderlichsten Lockmitteln:
Das American Institute of Physics etwa lobt einen Film, in dem die computertechnisch aufgemotzte Rotoskopie (ursprünglich wurden dabei vor dem Zeichnen aufgenommene bewegte Bilder auf eine mattierte Glasscheibe projiziert und dort abgepaust) , eine besonders surrelale Atmosphäre verpasst. Die Rede ist in diesem Fall von "A Scanner Darkly" - der Verfilmung eines Romans des leider viel zu früh verstorbenen SF-Autors Philip K. Dick, die dieser Tage in den USA angelaufen ist.
Ich kenne den Film nicht, aber das Buch ist wunderbar paranoid: Der Undercoveragent "Fred", der unter dem Decknamen Bob Actor als verdeckter Ermittler in der Drogenszene unterwegs ist, spaltet sich im Laufe der Zeit immer mehr in zwei verschiedene Persönlichkeiten, beschattet sich selbst und muss zu guter Letzt feststellen, dass sein eigener Brötchengeber ebenfalls in Drogengeschäfte verwickelt ist. Könnte einen ganz wunderbar auf eine berufliche Zukunft in der Software-Branche ...
Na gut, vielleicht ist das doch ein bisschen hart. Nicht minder kreativ wirbt etwa die "Kölner Wissenschaftsrunde" damit, das man "Klingeltöne der etwas anderen Art", im Kölner Wissenschaftsportal kostenlos herunterladen kann. Der "Sound of Science" spannt ein Spektrum auf "von rhythmischen Autotüren über aufrüttelnde Magnetrührer bis zu beruhigenden Absaugern".
"Das man sich an die Idee gewöhnt hat, dass das Gehirn eine informationsverarbeitende Maschine ist - das ist eine ganz zentrale These", sagt der Bremer Informatiker Michael Kohlhase. "Wir kriegen unsere Studenten schon kaum mehr zum Diskutieren darüber." Wie recht der Mann doch hat. Nachdem ich die vergangenen zwei Wochen überwiegend im Freien und im Leerlauf verbracht habe, habe ich - wieder zurück im Büro - ganz stark das Gefühl, dass auch menschliche Köpfe nur innerhalb der zulässigen Betriebstemperaturen funktionieren. Diese Parameter werden im Moment eindeutig nicht eingehalten. (wst)