Der kleine Unterschied
In irgendeiner Klitsche in China oder Indien sitzt wahrscheinlich ein Haufen ausrangierter westlicher Ex-Produktentwickler und fristet sein restliches Berufsleben als "Produktdiversivizierer".
Eins für den Laptop, eins für den PDA, eins für das Handy, eins für den MP3 Player, eins für die Digitalkamera: In der Regel trage ich bei jeder Dienstreise mindestens fünf verschiedene Netzteile durch die Gegend. Und ich bin es leid. Können die Hersteller sich nicht auf allgemeine Standards einigen? Oder wollen sie nicht? Aber wieso denn bloß?
Fragen über Fragen. Und so viel Kraft-, Zeit- und Geldverschwendung: Ich meine, irgendjemand muss doch auch sicherstellen, dass das Netzgerät für das tolle neue Device von Firma XY auch garantiert inkompatibel zu allen anderen Netzgeräten der Konkurrenz ist. Das ist gar nicht so leicht, wie es auf den ersten Blick aussieht, denn erstens unterscheidet sich das Innenleben der Geräte gar nicht so fundamental voneinander, und zweitens ist der infrage kommende Bereich der Ströme und Spannungen auch gar nicht mal so riesig groß.
Ich frage mich allmählich, ob es für diese Art Dienstleistung nicht auch schon einen eigenen, spezialisierten Markt gibt: In irgendeiner Klitsche in China oder Indien sitzt ein Haufen ausrangierter westlicher Ex-Produktentwickler und fristet das restliche Berufsleben als "Produktdiversivizierer", die technische und gestalterische Details zu Standard-Massenware hinzufügen, um sie von den Produkten der Konkurrenz zu unterscheiden.
Genug ist jedenfalls genug. Morgen gebe ich auf. Ich gehe in den nächstbesten Elektronikmarkt und kaufe mir ein Labornetzteil. 180 Milliampere bei 5,7 Volt? Kein Problem – man muss nur einen Satz verschiedenster Stecker dabeihaben und ein bisschen fummeln. Gespannt bin ich allerdings auf den Moment, in dem mein Handgepäck auf dem Flughafen durchleuchtet wird. Ich sollte mir wahrscheinlich schon mal eine plausible Geschichte ausdenken. (wst)