Schlafende Energie

Vor 40 Jahren sind Orion und Enterprise zum ersten mal ĂĽber die Fernsehschirme geflitzt - so lange leben wir schon mit Frogs, schlafender Energie, Warp-Antrieb, Phasern und Beamern.

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Vor 40 Jahren sind Orion und Enterprise zum ersten mal über die Fernsehschirme geflitzt – so lange leben wir schon mit Frogs, schlafender Energie, Warp-Antrieb, Phasern und Beamern. Habe ich nicht selbst gemerkt, sondern gestern in der taz gelesen, die die Helden meiner Kindheit allerdings böse verreißt. Die simplen Märchen aus der Zukunft hätten selbst die eigentlich fürchterlich dröge Übertragung der ersten Mondlandung zu einem medialen Großereignis hochgejubelt, sagen die Kollegen. Und noch heute lästert die Zeitung, "surft die NASA auf der Endmoräne dieser Begeisterung", denn nur so sei die anhaltende Finanzierungsbereitschaft der Öffentlichkeit für die bemannte Raumfahrt zu erklären.

Lassen wir mal bei Seite, dass die ganze technische Spielerei schon zu Da Vincis Zeiten die Phantasie der Mächtigen ganz anders angeregt hat, als von von ihren Schöpfern beabsichtigt – und die Raketenbauerei der NASA auch als später Erfolg der Nazis interpretiert werden kann.

Ich möchte mich an dieser Stelle trotzdem als langjähriger Science-Fiction-Fan outen. Und der werde ich wahrscheinlich auch bleiben. Warum? "Natürlich ist phantastische Literatur eskapistisch" soll J. R. R. Tolkien mal gesagt haben, "aber die Flucht, die diese Literatur ermöglicht, ist die Flucht eines Gefangenen".

Oder noch mal anders: Janne Riihjärvi von der RWTH Aachen hat gestern auf dem "Tag der Innovationen" von Microsoft vom Projekt SMEAGOL geschwärmt: "Es ist phantastisch mit Kindern zu arbeiten. Für Kinder ist Stargate genauso real wie die Tagesschau. Die kommen überhaupt nicht auf die Idee zu sagen, irgend etwas ist nicht möglich".

Soll heißen: Natürlich haben Space Operas ganz viel mit frühkindlichen Allmachtsphantasien zu tun; genauso wie mit dem Aufbruchs- und Eroberungsmythos der USA. Und natürlich wird in diesem Genre unglaublich viel Kitsch und reaktionärer Quark produziert – kein Wunder, es ist halt Pop. Aber deswegen die ganze Szene – ganz und gar erwachsen – als Club niemals groß gewordener Kinder zu belächeln ist genauso phantasielos wie die Auffassung, die Dampflokomotive könne niemals schneller fahren als 20 Stundenkilometer. (wst)