Angst vor dem Downturn 2.0

In den USA baut sich bei der Technologiefinanzierung wieder eine Blase auf, während Börsenexperten vor einem Crash des überhitzten Immobilienmarktes warnen. History repeating?

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Im Silicon Valley boomt es wieder gewaltig. Das Risikokapital scheint wieder ĂĽberall auf der StraĂźe zu liegen, "Web 2.0"-Firmen stoĂźen bei Medienkonzernen und Internet-Giganten auf milliardenschweres Interesse und auch im einst darnieder liegenden Arbeitsmarkt fĂĽr Online-Experten ist Wachstum angesagt, ja mancherorts in den USA gar kein ordentlicher Mitarbeiter zu vernĂĽnftigen Preisen mehr zu bekommen.

Derweil genießen immer mehr Webarbeiter hohe Aktienoptionen, die ersten internationalen Börsengänge merkwürdiger Geschäftsmodelle rollen wieder an und die Politik will in Sachen "Web 2.0" ein Förderungswörtchen mitreden - auch hier zu Lande, wo Schlagworte wie "Social Networking" oder "User Generated Content" inzwischen in jede PowerPoint-Präsentation von Medienberatern zu gehören scheinen, die sich für trendbewusst halten.

Ich weiß ja nicht, wie es Ihnen geht (oder ob Sie sich an die alten Zeiten noch erinnern können), aber für mich riecht dieser Hype 2.0 ziemlich nach dem "Dotcom"-Boom 1998 ff., was nach einer gigantischen wie unnötigen Aktienblase bekanntlich ab April 2000 massiv ins Auge ging - und die halbe Wirtschaft der westlichen Welt in die Krise stürzte.

Aber ist es denn wirklich schon so schlimm? Wie man so schön sagt: Die Geschichte wiederholt sich immer gerne in pervertierter Form. Dementsprechend wird es nicht eine überhitzte Wall Street mit Hunderttausenden Internet-begeisterten Kleinanlegern sein, die die nächste Krise bringt.

Diese Form des "Exits" von Risikokapitalisten, nämlich der Gang von Startups an die Börse, klappt derzeit noch immer nicht so richtig (aber das kann ja noch kommen). Viel Geld verlieren könnten die Finanziers und vor allem ihre Investoren aus Industrie, Pensionsfonds und Hedgespezialisten aber alle Mal, wenn sich der "Web 2.0"-Boom mangels tatsächlicher Gewinne und nur noch lau kopierter Geschäftsmodelle wie anno 2000 in Wohlgefallen auflöst.

Die tatsächliche Gefahr für die Weltwirtschaft liegt derzeit aber woanders: Im überhitzten US-amerikanischen Immobilienmarkt, wo man in den letzten Jahren selbst für mittelprächtige Hausbauten horrende Summen zahlen musste - eine Million Dollar war da in manchen Regionen nichts. Das führte unter anderem dazu, dass das so genannte "House Flipping", bei dem man Häuser (angeblich) billig kauft, um sie teuer weiterzuverkaufen, zum Sport gelangweilter Hausfrauen geworden ist, die früher wohl in Enron-Aktien investiert hätten.

Diese riesenhafte Blase, an der unter anderem gigantische variable Kredite vieler US-Bürger, aber auch die gesamte Zulieferwirtschaft für den Haushaltsbedarf hängt, scheint derzeit mächtig Luft abzulassen. Erstmals gehen die Preise wieder zurück und auch in einst begehrten Lagen wird der Verkauf schwieriger. Sollte sich die Entwicklung beschleunigen, könnte, so warnen zumindest pessimistischere Wirtschaftswissenschaftler und Wall Street-Experten, erneut eine große Krise kommen.

Und dieser Downturn 2.0 würde den aktuellen Hype im Online-Geschäft natürlich mitnehmen, wo schon das Portal Yahoo kürzlich ankündigte, erstmals einen Rückgang im angeblich so boomenden Web-Werbemarkt festgestellt zu haben. Fazit: Mal sehen, wie's diesmal wird. Von zu viel Optimismus und Hype-Gerede ist abzuraten. Was zählt, ist (wie immer) Substanz. (wst)