Ich und mein 'Pod

Hardware ist schnelllebig. Das wurde mir am vergangenen Montag erneut bewusst, als der Computerhersteller Apple ein ganz besonderes Jubiläum feierte.

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Hardware ist schnelllebig. Das wurde mir am vergangenen Montag erneut bewusst, als der Computerhersteller Apple ein ganz besonderes Jubiläum feierte - den fünften Geburtstag seines MP3-Spielers iPod nämlich. Meine Güte, schon fünf Jahre ist das her.

In meinem Schreibtisch beziehungsweise bei diversen Verwandten sowie meiner Angetrauten finden sich allerlei beweiskräftige Zeugnisse davon – in Form von iPods unterschiedlichster Generationen, die ich mir über die Jahre gekauft habe. Fünf oder sechs Geräte (oder sogar sieben?) dürften es inzwischen schon gewesen sein, schließlich bringt Apple nahezu jedes halbe Jahr ein neues Modell, das wieder ein neues Feature hat, das man unbedingt haben muss. (Und sei es nur genug Speicher, um endlich wirklich die gesamte Musiksammlung mit sich herumzutragen - inklusive aller Video-Podcasts.)

Bevor der MP3-Spieler zum heutigen Kultgerät wurde, das selbst vor George W. Bush und dem Papst nicht halt machte, war der Apple-Player zum Verkaufsstart als ziemlich doof weil übertrieben teuer verschrien (1000 Mark!). Dabei lieferte Apple hier zwar nicht das erste Gerät seiner Art (Creative war z.B. schneller), machte die Technik aber erstmals wirklich sinnvoll nutzbar.

Vor meinem ersten iPod besaß ich so zum Beispiel bereits einen gigantisch großen Festplatten-MP3-Spieler mit großen blauen Gummifüßen, dessen Batterie bereits nach wenigen Stunden aufgab und der sich erst nach Stunden voll bestücken ließ, weil er nur eine lahme USB 1.1-Schnittstelle hatte. Beim iPod war das anders: Das Ding kam von vorne herein mit einem schnellen Firewire-Anschluss und lieferte schon in der ersten Generation eine Laufzeit von satten 8 Stunden (laut Apple 10, doch die habe ich nie erreicht). Bedienung und Portabilität waren ebenfalls super, denn das Ding passte mit seinen anfänglich 1000 Songs endlich wirklich in die Hosentasche. (Die Flash-Player jener Anfangsjahre, die ebenfalls ordentlich portabel waren, fassten keine 50 Tracks.)

Mit der Zeit wurde es dann immer schnuckeliger, etwa in Sachen Bedientechnik: Das so genannte Jogwheel in mechanischer Ausführung wurde zum berührungsempfindlichen Scrollwheel, um schließlich im Clickwheel samt Integration der wichtigsten Tasten zur Perfektion zu reifen. Bei alledem gab es immer auch hübsche Design-Anpassungen, selbst wenn ich persönlich z.B. die heutigen iPod nano-Modelle hässlicher finde als ihre Vorgänger.

Zur Einführung des iPod sagte Apple-Boss Steve Jobs: Musik sei etwas, was wichtig für den Menschen sei – und kein spekulativer Markt. Die schönen Stunden, die mir zum Beispiel die Shuffle-Funktion des iPod immer wieder beschert hat, mit der man auch alte Sachen wieder entdeckt, drücken das ziemlich deutlich aus. So sehr Apples MP3-Spieler inzwischen ein Hype geworden ist, umso interessanter wurde er doch mit den Jahren. Der universellen tragbaren Medienplattform steht nun offenbar nichts mehr im Weg.

Was Apple mit dem iPod schaffte, ist nicht weniger als die Umsetzung einer kleinen Revolution: Man trägt heute keine CD-Stapel mehr mit sich herum und kauft diese auch immer seltener. Mit Angeboten wie dem (natürlich cleverweise nur zum iPod passenden) Apple-Musikladen iTunes Store krempelte der Computerhersteller mal eben die Musikdistribution um - und zwar so, dass das auch Otto-Normal-Verbraucher mitbekam, und nicht nur Alphageeks. Dass der iPod dadurch auch Windows-Nutzern zugeführt wurde und nicht nur den elitäreren Mac-Besitzern (zu denen ich zufällig gehöre) alleine vorbehalten blieb, ist da verzeihlich. (wst)