Nichts als die Wahrheit
Atombombenpläne im Internet? Leider sind die Dokumente so brisant, dass man sie der Öffentlichkeit nicht zur Prüfung vorlegen kann. Aus Sicherheitsgründen. Das verstehen Sie doch, oder?
Die Legende geistert seit Jahren durch das Netz: Im Internet kann man alles finden – sogar die Anleitung zum Bau einer Atombombe. Alles Unfug. Hat, nach Auffassung von Experten nie gestimmt. Bis vor Kurzem. Da soll, laut New York Times ausgerechnet die US-Regierung im Irak beschlagnahmte Dokumente ins Internet gestellt haben, aus denen sich eine solche Anleitung zumindest leicht konstruieren ließe. Das ging nun angeblich so lange gut, bis Experten der Internationalen Atomenergiebehörde sich die Papiere angesehen haben, und beim Lesen derselben wohl recht blass geworden sind. Das erinnert mich an den Witz, in dem Rumsfeld dem Sicherheitsrat der UN treuherzig versichert: "Natürlich gibt es Massenvernichtungswaffen im Irak. Wir müssen das wissen. Wir haben sie schließlich selbst geliefert."
Spaß beiseite, das Thema ist ernst. Jetzt ist zum Glück aber alles wieder verschwunden. Restlos gelöscht, flüchtig, wie ein Geisterbild in der Nacht. War nicht kürzlich Halloween? Na ja, wer solche Spukgeschichten für wahr hält, glaubt wahrscheinlich auch ... Nein, ich beziehe mich jetzt nicht auf den Weihnachtsmann, den Weltfrieden oder den Liefertermin für Windows Vista. Wer solche Spukgeschichten für wahr hält, glaubt wahrscheinlich auch an die Integrität von Wahlmaschinen. Denn schließlich steht auch hier Aussage gegen Aussage, Bericht gegen Bericht, Gutachten gegen Gutachten.
Wer seinen Glauben lieber nicht auf die Probe stellen will, kann übrigens – ebenfalls rein elektronisch virtuell – gegen die weitere Verbreitung dieser Maschinen in Deutschland petitieren. Sozusagen als gute Tat zum Wochenbeginn. Der Ordnung halber mache ich aber darauf aufmerksam, dass die Petition vom Chaos Computer Club ins Leben gerufen wurde. Das sind die, die nicht nur notorisch paranoid sind, sondern auch – zumindest früher – ganz gerne mal in US-Militärrechnern spazieren gegangen sind. Vielleicht liegen da ja auf der einen oder anderen Festplatte auch noch brisante Dokumente rum. Also passen Sie auf, in welchem Zusammenhang ihre Daten gespeichert werden. (wst)