Viren gegen Viren

GroĂźe Aufregung: Die Gentherapie gegen HIV-Infektion zeigt in einem ersten Test kleine Erfolge.

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Von
  • Hanno Charisius

War das eine Aufregung letzte Woche. Da hat doch die Frankfurter Allgemeine Zeitung wie auch viele andere mehr geschrieben, dass eine Gentherapie gegen AIDS recht vielversprechend verlaufen sei und die unlängst nobelpreisgewürdigte Gen-Abschalt-Technik „RNA-Interferenz“ (RNAi) war laut FAZ auch noch im Spiel. Fehlen eigentlich nur noch Klone und Stammzellen, dann hätte man wohl so ziemliche alle Begriffe in eine Meldung packen können, die zurzeit die Lebenswissenschaften elektrisieren.

Klone immerhin, wurden ebenfalls Anfang vergangener Woche von zwei britischen Arbeitsgruppen angekündigt. Sie wollen Embryonen aus menschlichen Zellen und Eizellen von Kühen schaffen. Die Ergebnisse sollen 99,9 Prozent menschliches Erbgut in sich tragen. Das fehlende zehntel Prozent? Sagen wir mal: Who cares? Die Arbeitsgruppen haben jedenfalls den Antrag bei den britischen Genehmigungsbehörden gestellt. Sie wollen diese Konstrukte für Forschungszwecke schaffen, da sei es einfacher Eizellen von Rindern zu nehmen, die man in Schlachthöfen eimerweise bekommen könne, als weiterhin auf Eizell-Spenden von Frauen angewiesen zu sein.

Aber die Klone sollen hier gar nicht Thema sein, das warten wir erst noch ab, was der britische Ethikrat dazu zu sagen hat.

Gentherapie gegen Aids also. Deshalb ist eine Menge Tinte geflossen, auch in deutschsprachigen Medien.

Wissenschaftler von der University of Pennsylvania haben fünf AIDS-Patienten, bei denen die Erreger bereits gegen die zwei wichtigsten Medikamente resistent waren, gentherapeutisch behandelt. Sie hatten ihren Patienten vor gut drei Jahren gentechnologisch entschärfte HI-Viren injiziert. Diese Viren sollten ein künstliches Gen in die Patientenzellen transportieren, das den Mechanismus sabotiert, mit dem sich die natürlichen Erreger vermehren. Das hatte die FAZ als RNA-Interferenz missverstanden, es handelte sich um klassische „Anti-Sense-Technik“. Ein für die Patienten nicht ungefährliches Experiment, insbesondere rückblickend auf jene vergleichbaren Therapieversuche in Paris, die im Jahr 2003 Blutkrebs bei einigen Behandelten ausgelöst hatte (Details zu den früheren Gentherapie-Versuchen stehen in Sascha Karbergs Report: „Die Gen-Chirurgen“).

Nun zum Erfolg: Bei allen fünf behandelten Patienten sank die Zahl der Viren im Blut, bei drei von ihnen stieg sie aber später wieder an. Bei vier von ihnen stieg die Zahl der körpereigenen Abwehrzellen – dem primären Ziel einer HIV-Infektion - leicht an. Und das Wichtigste: Die Behandlung scheint den Patienten nicht geschadet zu haben – bisher. Bei den Heilversuchen der Pariser Arbeitsgruppe entwickelten die Patienten den Blutkrebs infolge der Behandlung erst nach drei bis vier Jahren. Ob diese Therapieform auch das Leben der Patienten verlängert, wird man erst nach den nächsten Studien der Phase II sagen können, in denen die Wirksamkeit bewiesen werden muss. (wst)