Politische Wissenschaft

Glaubt man dem US-Bestsellerautor Michael Crichton, sind wir in den vergangenen zwei Wochen von einer skrupellosen Mafia aus Klimaforschern, Umweltschutzorganisationen und Medien an der Nase herum gefĂĽhrt worden.

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Glaubt man dem US-Bestsellerautor Michael Crichton, sind wir in den vergangenen zwei Wochen von einer skrupellosen Mafia aus Klimaforschern, Umweltschutzorganisationen und Medien an der Nase herum geführt worden. Weil: der menschengemachte Klimawandel ist angeblich so bewiesen wie die Landung der NASA auf dem Mond. Politisch beeinflusste Wissenschaftler wollen uns mit Hilfe einseitig ausgewählter und präsentierter Daten das Gegenteil beweisen.

Somit wäre es eigentlich auch gar nicht schlimm, dass der Klimagipfel in Nairobi ohne wirklich greifbare Ergebnisse zu Ende gegangen ist. Und verwunderlich ist das sowieso nicht: Die Zeitkonstanten von Wahlen und Klimamodellen liegen zu weit auseinander, um sich wirklich zu beeinflussen.

Ich vertraue allerdings mehr den Recherchen von Kollegen, die ich überprüfen kann. Der Kollege Gregor Honsel berichtet in der Titelgeschichte der (schon sehr bald an die Kioske kommenden) Dezember-Ausgabe (ab Donnerstag zu haben, sagte ich glaube ich schon...), wie wir uns an den Klimawandel anpassen können. Sein Fazit: "Ist der Klimawandel also, wenn schon nicht zu verhindern, so wenigstens zu beherrschen? Das hängt davon ab, wie stark die Temperaturen ansteigen werden. Als kritische Schwelle gelten zwei Grad."

Zwei Grad Anstieg der mittleren globalen Temperatur bis zum Ende des Jahrhunderts liegen jedoch am optimistischen Ende des Spektrums. Wenn die internationale Staatengemeinschaft nicht handelt, werden wir wahrscheinlich noch zu meinen Lebzeiten experimentell erkunden, ob sich diese zwei Grad nicht schon in 30 Jahren erzielen lassen. Bis zum Ende des Jahrhunderts sieht es dann noch mal ganz anders aus.

Ich habe den starken Verdacht, dass die politisch beeinflusste - und damit unwirksame - Wissenschaft in diesem Zusammenhang nicht die Klimatologie ist sondern die Ökonomie: Die Theorie, nach der die freie Entfaltung des Marktes über die Verfolgung der eigenen Profitinteressen quasi per Selbstorganisation zur Steigerung der allgemeinen Wohlfahrt führt, ist am Beispiel des Klimawandels als falsch widerlegt. Die Situation ähnelt sehr stark dem klassischen Gefangenendilemma - einem Paradoxon, das zentraler Bestandteil der Spieltheorie ist: Das Zwei-Personen-Spiel zeigt, wie individuell rein rationale Entscheidungen zu kollektiv schlechteren Ergebnissen führen können. Das Ergebnis darf man also eigentlich als bekannt voraus setzen. Was lernen wir daraus? (wst)