Ohne MenĂĽ kein Essen

Ich fingerte an den Knöpfen herum mit dem nicht unbescheidenen Ziel, dem Gerät 190 Grad warme Luft zu entlocken. Fünf Minuten und diverse Untermenüs später wurde es mir zu dumm, und ich griff zum Handbuch.

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Kürzlich bekam ich eine neue Küche. Nicht, dass ich ein virtuoser Koch wäre. Doch für eine Tiefkühlpizza hat es bis jetzt immer noch gereicht. Bis jetzt. Bis der neue Backofen kam.

Das Gerät stammt vom Hersteller Whirlpool und sieht einigermaßen schick aus. Ein Display, zwei Rädchen, eine Drucktaste. Reduziertes Design ohne Schnickschnack. So etwas ist mir schon mal sympathisch.

Doch dann kam die Bewährungsprobe in Form einer Pizza Prosciutto. Ich fingerte an den Knöpfen herum mit dem nicht unbescheidenen Ziel, dem Gerät 190 Grad warme Luft zu entlocken. Fünf Minuten und diverse Untermenüs später wurde es mir zu dumm, und ich griff zum Handbuch. Welch eine Schmach! Die Pizza war inzwischen halb aufgetaut, und der Backofen mir nicht mehr ganz so sympathisch.

Wo lag das Problem? Schließlich habe ich nicht zum ersten Mal ein Gerät mit Menüführung bedient, und dass nun auch Elektroherde ihren Funktionsumfang offenbar anders nicht mehr bändigen können – meinetwegen. Und überhaupt sind Menübedienungen doch eine feine Sache: Sie sind selbsterklärend (respektive sollten selbsterklärend sein), und man kann mit ihnen jegliche Funktion darstellen, ohne Geräte mit Schaltern zupflastern zu müssen. Ich habe mich im Freundeskreis sogar schon zu der Bemerkung hinreißen lassen, ich bräuchte nur fünf Tasten, um jedes Gerät der Welt bedienen zu können: „auf“, „ab“, „links“, „rechts“ und „Eingabe“. (Eine Behauptung, die ich hiermit kleinlaut zurückziehe.)

Und nun dies. Gescheitert an einer Pizza. Nach längerem nachdenken bin ich nun darauf gekommen, was mir an diesem Herd so kontraintuitiv vorgekommen ist: Die Drucktaste hat zwei Funktionen. Zum einen bewegt man sich mit ihr durch die Menüs (zum Beispiel von der Temperatureinstellung zum Timer), zum anderen bestätigt man mit der gleichen Taste die Eingabe. Darauf soll jemand kommen. Hätte es wirklich nur die fünf klassischen Knöpfe gegeben, hätte ich wohl keine Probleme gehabt.

Doch selbst wenn es die fünf klassischen Navigationsknöpfe gibt, kann man noch viel falsch machen. So haben mich diese drahtlosen Siemens-Gigaset-Telefone, die wir früher mal in der Redaktion hatten, wahnsinnig gemacht, ohne dass ich zunächst wusste, warum. Ich habe lange dafür gebraucht, um auf den Grund zu kommen: Die Menüs waren – zumindest für meine Intuition – falsch angeordnet. Als Windows-Nutzer sieht meine innere Landkarte für Menüs folgendermaßen aus: Die Haupteinträge stehen nebeneinander, ich bewege mich also mit der Links-Rechts-Taste auf der obersten Ebene, und komme mit der Auf-Ab-Taste in die Untermenüs. Bei den Gigasets war es genau umgekehrt.

Und was lernen wir daraus? Menüs sind räumlich aufgebaut. Das ist mehr als eine bloße Metapher. Wenn die räumliche Anordnung auf einem kleinen Bildschirm nicht zu erkennen ist, fangen die Probleme an. Hat man ein horizontales Menü im Kopf, der Hersteller aber ein vertikales, wird’s kompliziert. Aber wahrscheinlich hat die nächste Generation von E-Herden sowieso schon Farbdisplays in VGA-Auflösung und Touchpads. Bis dahin bestelle ich mir meine Pizza per Telefon. Aber besser nicht mit einem Siemens Gigaset. (wst)