Killing joke
Nachdem nun auch Sabine Christiansen am Sonntag zum allseits beliebten Thema Killerspiele ihre Talkrunde über den Sender gehen ließ, wird es Zeit für einen kleinen Realitätsabgleich.
Ich muss mich zu Anfang dieses Textes schon wieder entschuldigen: Eigentlich mag von dem Thema ja niemand mehr etwas hören, aber nachdem nun auch Sabine Christiansen am Sonntag zum allseits beliebten Thema Killerspiele ihre Talkrunde über den Sender gehen ließ, wird es Zeit für einen kleinen Realitätsabgleich.
Einige Wissenschaftler – als prominentester Vertreter dieser Richtung gilt der Kriminologe Christian Pfeiffer – haben angeblich nachgewiesen, dass regelmäßiges Spielen von so genannten Ego Shootern – man sieht die Umgebung aus der Perspektive der Spielfigur und muss in der Regel alles abknallen, was einem vor die Flinte kommt – die Fähigkeit Mitleid zu empfinden verringert. Die These ist wissenschaftlich umstritten, aber gehen wir mal davon aus, dass sie stimmt. Was wäre daraus zu folgern? Dass diese Software für Jugendliche verboten wird? Und was ist mit dem Rest?
Damit meine ich nicht nur die Tatsache, dass angeblich Volljährigen den Zugang zu dieser Software zu verbieten juristisch nicht ohne sein dürfte – schließlich darf man sich hierzulande alles in den Kopf knallen, was nicht unter das Betäubungsmittelgesetz fällt. Und dabei sind schon eine ganze Menge veritabler Hirnweichmacher. Nein, ich spreche auch von sozialem Druck in der Schule, Stress im Betrieb, Familienterror zu Weihnachten – kurz dem normalen Alltag. Und natürlich von extremen Beispielen wie sie das "Deutsche Nachrichtenmagazin" Der Spiegel in just derselben Woche mit dem Zitat "Die Deutschen müssen das Töten lernen" auf der Titelseite präsentiert hat. Wir leben in gewaltförmigen Verhältnissen, und das stumpft jeden Tag die Emphathiefähigkeit ab – wird aber interessanterweise nicht verboten. (wst)