Wildes Vista
Ende des Monats ist es soweit: Die neue Windows-Variante erscheint nach jahrelangen Verschiebungen. Den Nutzer erwartet ein Versions-Chaos - und fein abgestimmte Funktionseinschränkungen.
Eigentlich ist es ja schön, dass Microsoft nach ungefähr zehn Verschiebungen und knapp fünfjähriger Wartezeit endlich fertig ist mit Windows Vista, seinem Betriebssystem der nächsten Generation.
Und es gibt auch einiges, was man nett finden kann an dem frischen Software-Herzen, das bald in allen Neu-PCs schlagen soll: Vista räumt mit allerlei grundlegenden Windows-Sicherheitsproblemen auf, bietet eine durchaus erträgliche neue Oberfläche, kopiert allerlei hübsche Features, die es so bislang nur unter Mac OS X gab und könnte somit, reicht der eigene PC hardwaretechnisch denn aus, eine ordentliche Anschaffung für die nächsten paar Rechnerjahre sein.
Allerdings muss ich zugeben, dass ich mir nicht hätte träumen lassen, wie intensiv Microsoft bei dieser Windows-Version diesmal Geldschneiderei betreibt. Wer schon die verschiedenen XP-Varianten verwirrend fand, wird an Vista schnell verzweifeln. Das beginnt bereits bei der Anzahl der verschiedenen Versionen. Es gibt deren ganze Vier: "Home Basic", "Home Premium", "Business" und "Ultimate".
So super diese Namen auch klingen - es sind teilweise Mogelpackungen. Das billige "Home Basic" bringt nicht einmal die schicke neue Vista-Oberfläche ("Aero") mit und eignet sich vielleicht für bessere Schul-PCs. Selbst die mögliche unterstützte Speichermenge schränkt Microsoft ein.
"Home Premium", die Variante, die man wohl auf den meisten im Laden erhältlichen PCs vorfinden wird, erinnert an die XP-Standardversion "Home Edition", ist aber ebenfalls teilweise eine Mogelpackung. Da wird dann an Dingen wie der maximalen Anzahl möglicher Netzwerkverbindungen geschraubt oder das verschlüsselte Backup verboten. Und selbst bei "Business", der Profi-Version, fehlen teils interessante Features, die es nur bei der noch teureren "Ultimate"-Variante gibt.
Microsofts Diversifikationsstrategie ist tiefgehend. So kann man ein Vista beispielsweise in unteren Versionen nicht in anderen Sprachen betreiben - dazu bedarf es zusätzlicher Sprachpakete, die es nur für bestimmte Varianten gibt. Wie gut, dass man jederzeit "upgraden" kann - Lizenzen verkauft Microsoft praktischerweise diesmal auch online, so dass man in Redmond nicht einmal mehr Pakete verschicken muss.
Interessanterweise sind die verschiedenen Windows-Versionen ĂĽbrigens alle auf der mitgelieferten DVD - egal ob man nun "Basic" oder "Ultimate" kauft. Allein die Eingabe des LizenzschlĂĽssels entscheidet, welchen Restriktionen man sich brav ergibt.
Ich persönlich bin inzwischen nahezu zu 100 Prozent auf dem Mac unterwegs. Aber selbst dann bleibt man von Microsofts Marketingschachzügen nicht verschont: Will ich mir Vista handzahm unter OS X in einer virtuellen Maschine mittels Parallels oder VMware installieren, darf ich das laut Microsofts AGB nur dann, wenn ich die teuerste Variante kaufe - ohne Upgrade für schlappe 500 Euro.
Ich bin mir sicher, dass Microsofts Strategie hohe Einnahmen verspricht. Nur ob sie aufgeht? Linux und OS X sind inzwischen ausgewachsene Konkurrenten. Und so angestaubt wirkt die Vista-Vorversion XP, auf der ja immer noch alles läuft, angesichts dieser Bedingungen dann doch nicht... (wst)