Paketweise Wucher

In der vergangenen Woche kündigte ein Mobilfunkanbieter an, seine Datenübertragungspreise künftig um 97 Prozent zu senken. So radikal das auch klingt: Aus Wucher wurde Überteuerung.

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Erinnern Sie sich noch daran, als anno 2000 knapp 50 Milliarden Euro für die UMTS-Lizenzen in die Kasse der Bundesrepublik flossen und alle Welt hoffte, ein schnelles Netz würde nun überall verfügbar? Seitdem hat sich in Sachen drahtloses Internet erstaunlich wenig getan. UMTS-Datenkarten werden nahezu ausnahmslos von Geschäftsleuten und Technikfreaks eingesetzt, während Otto-Normal-Verbraucher in Sachen "Wireless Multimedia" vielleicht noch den einen oder anderen Klingelton kennt - wenn's hoch kommt, wurde daneben womöglich einmal ein Musikvideo aufs Handy heruntergeladen.

Ein Grund für die langsame Durchsetzung der Technik war lange Zeit die mittelprächtige Geschwindigkeit - ganze 384 Kilobit pro Sekunde sind standardmäßig im Downstream übertragbar. (Inzwischen ist man dank HSDPA zumindest in einigen Netzen im Megabit-Bereich angekommen.) Wohl noch wichtiger sind allerdings die Mondpreise, die die Carrier seit Jahren für Datendienste glauben verlangen zu können.

Mir wurde das in der vergangenen Woche nochmals klar, als die E-Plus-Billig-Tochter Simyo einen angeblichen großen Preissturz ankündigt. "Mit 24 Cent pro MB startet Simyo heute mit einem revolutionär einfachen und günstigen pay-as-you-go Angebot für mobiles Internet", hieß es in der Werbebotschaft lapidar. Ganze "97 Prozent" spare der Nutzer künftig. Das Ganze erinnerte mich an Unternehmen, die heute mit der Nichtteilnahme an der Mehrwertsteuererhöhung werben, weil sie ihre Preise bereits im vergangenen Jahr verdoppelt hatten.

Der Grund: Hier wird aus reinem Wucher Überteuerung. Diese 97-prozentige Preissenkung entsteht allein dadurch, dass der Anbieter zuvor unfassbare 9 Euro pro Megabyte übertragene Daten verlangt hatte. Das heißt beispielsweise, dass man für das Herunterladen einer einzigen Website mit 300 Kilobyte um die 2 Euro 70 bezahlt hätte - wer innerhalb der Simyo-Kundschaft überhaupt auf die Idee gekommen wäre, diesen unfasslichen Dienst zu nutzen, ist mir ein Rätsel (doch wohl höchstens aus Versehen).

Und was bedeuten nun die 24 Cent pro Megabyte, die Simyo als "neuen Preissturz" tituliert? Nun, würde man damit ein Album in einem Online-Musikladen herunterladen, das 60 MB groß ist, würde das immer noch stolze 14 Euro 40 kosten - ohne die Kosten für das eigentliche Album, versteht sich. Wer heute mit DSL Daten im Gigabyte-Bereich herunterlädt, ist auf dem Handy schnell mit ein paar Hundertern dabei: Ein Gigabyte macht 240 Euro. Da kann der Anbieter auch noch so freundlich damit werben, man rechne in "fairer 10-KB-Taktung" ab.

Fazit: So lange die Mobilfunkanbieter meinen, sie könnten die Nutzer bei Datentarifen weiter veralbern, wird das auch weiterhin nichts mit dem "echten" mobilen Internet. Selbst wenn es bereits hier und da vereinzelt Flatrates gibt, die sich aber für die schnellste UMTS-Geschwindigkeit noch immer nicht anwenden lassen. (wst)