Bundesnetzagentur überprüft Telekom-Preispolitik

Telekom-Wiederverkäufer mieten Bitstrom-Zugänge an und vermarkten sie als Internet-Anschlüsse an ihre Kunden. In einigen Städten kostet ein Telekom-Vertrag kurzfristig jedoch weniger als die Zugangs-Miete. Das ärgert die Wettbewerber.

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(Bild: dpa, Britta Pedersen)

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  • Florian Klan

Die Bundesnetzagentur prüft, ob die Telekom mit Endkunden-Rabatten für Internet- und Telefonverträge den Wettbewerb auf dem Provider-Markt verzerrt. Die Regulierungsbehörde habe nach zwei Beschwerden eine Untersuchung wegen möglichen Entgeltmissbrauchs eingeleitet, bestätigte ein Sprecher gegenüber heise Netze, wollte aber unter Hinweis auf das laufende Prüfverfahren keine weiteren Einzelheiten nennen.

Stein des Anstoßes sind Rabattaktionen, mit denen die Telekom gerade in Ballungsgebieten um VDSL-Kunden wirbt. In Städten wie Berlin, München oder Stuttgart bietet der Bonner Konzern etwa den Tarif MagentaZuhause M mit 50 MBit/s und VoIP-Telefonflatrate im ersten Jahr der Vertragslaufzeit für 29,95 statt 34,95 Euro monatlich an. In Köln ist der Tarif derzeit sogar für nur 24,95 Euro in den ersten zwei Jahren der Vertragslaufzeit erhältlich.

Das ärgert die alternativen Anbieter, die auch in diesen Regionen auf Dienstleistungen der Telekom angewiesen sind, und bei solchen Preisen nicht mithalten können, wie der Bundesverband Breitbandkommunikation (Breko) anmerkt. Denn die Endkundenpreise der Telekom lägen unter dem Preis, den ein Wettbewerber für einen Bitstrom-Zugang zum VDSL-Netz der Telekom entrichten muss. Ein Telekom-Konkurrent zahlt nach Breko-Angaben für einen VDSL2-Bitstrom-Zugang mit 50 MBit/s derzeit monatlich 30,99 Euro brutto.

Telekom-Neukunden zahlen innerhalb einer Rabatt-Aktion in Köln in den ersten zwei Jahren laut dem Breko weniger für ihren Internet-Anschluss, als Telekom-Konkurrenten für den Bitstrom-Zugang. Die Bundesnetzagentur prüft, ob es sich hierbei um einen Entgeltmissbrauch handelt.

(Bild: Telekom )

Die Telekom-Konkurrenz hält das für wettbewerbsverzerrend. Sie habe "nichts gegen attraktive Angebote für Endkunden“, betont Breko-Chef Stephan Albers. "Allerdings sollte die Deutsche Telekom dann nicht nur sich, sondern auch ihre Wettbewerber in die Lage versetzen, mit attraktiven Preisen auftreten zu können.“ Auch die Telekom argumentiert mit Wettbewerb und betont, dass sie "auf regional unterschiedliche Wettbewerbssituationen reagieren können" müsse, wie ein Sprecher der Bonner erklärte.

Gerade in den großen Städten konkurriert die Telekom auch mit den Kabelnetzbetreibern, die schnelle Internetzugänge zu attraktiven Konditionen anbieten. "In einigen Ballungsgebieten haben wir einen Marktanteil von unter 30 Prozent", sagte der Sprecher. Was die Prüfung der Bundesnetzagentur angeht, geben sich die Bonner betont entspannt: "Die Beschwerden der Wettbewerber sehen wir gelassen. Ein Missbrauchsverfahren in dieser Sache gibt es nach unseren Kenntnissen derzeit nicht." (fkn)