Von Plankton und GlĂĽhbirnen

Nur weil der Treibhauseffekt ein großes Problem ist, heißt es nicht, dass auch die Lösungen groß sein müssen.

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Von
  • Matthias Urbach

Glühbirnen sind eine äußerst effektive Art zu Heizen. Zum Beleuchten eignen Sie sich eher weniger, geht doch nur ein Zwanzigstel der eingesetzten Energie in die Erzeugung von Lichtstrahlen. Das brachte nun Australiens Umweltminister, der auf den plakativen Namen Turnbull hört, auf andere Gedanken: Er will den Australier künftig verbieten, noch Glühbirnen zu kaufen. In die Fassungen sollen nur noch Energiesparlampen „Wenn der Rest der Welt unserer Führung folgt, wird dies eine erhebliche Energieeinsparung bedeuten“, erklärt Malcolm Turnbull selbstbewusst.

Nichts gegen Energiesparlampen. Inzwischen gibt es sogar welche, die sofort anspringen und angenehmes warmes Licht verbreiten. Das konnte man von den ersten Modellen – und vielen Billigmarken noch heute – nicht sagen, was viele vom Kauf abhielt. Persönlich ziehe ich die teureren Osram-Lampen den ungemütlich schimmernden, aber billigen Ikea-Lampen vor. (Auch wenn Stiftung Warentest behauptet, die wären „kaum schlechter“. Ich empfehle, die Modelle mal zu testen: Die Unterschiede in der Lichtfarbe sind beträchtlich.)

Mister Turnbull hingegen sollte auf dem Teppich bleiben. Ist Australien doch einer der größten Kohleexporteure und ein notorischer Blockierer des Kioto-Protokolls. Das Land hat das Protokoll noch immer nicht unterzeichnet. Und mit den Energiesparlampen ließe sich nicht mal ein Prozent der australischen Emissionen einsparen.

Immerhin: Die Nachricht löst hierzulande erstaunlich viel Resonanz aus, viel mehr als vor eineinhalb Jahren Fidel Castro, als er seinen Untertanen den Import von Glühbirnen mit mehr als 15 Watt Verbrauch untersagte, und 3,5 Millionen Energiesparlampen in China bestellte. Das liegt vielleicht auch daran, dass Fidel nicht das Klima, sondern nur die Stromversorgung in Havanna schützen wollte – die fiel damals bis zu sieben Stunden täglich aus.

Doch auch wenn sie nur ein wenig beitragen zum Klimaschutz: Moderne Energiesparlampen sind ein Win-win-Modell wie es im Ökolehrbuch steht. Sie schonen die Umwelt ohne Komforteinbuße – und sparen auch noch Geld.

Nicht kleckern wie Turnbull, sondern klotzen – das ist die Devise von Richard Branson, dem milliardenschweren Chef von Virgin Atlantic Airlines. Vor zwei Wochen schrieb er einen Preis von 25 Millionen Euro aus für die beste Idee, Kohlendioxid aus der Atmosphäre zu schaffen. Sicher ist, dass Turnbull den Preis nicht bekommt, den Branson verlangt eine Rate von einer Milliarden Tonnen CO2 pro Jahr, die es aus der Atmosphäre zu tilgen gilt. Das ist etwas mehr, als die gesamte Emission Deutschlands an Treibhausgasen (knapp 0,9 Milliarden Tonnen CO2).

Die ersten Bewerber haben sich nun gemeldet: Ian Jones von der Ocean Technology Group an der University of Sydney will den Ozean mit Harnstoff düngen damit mehr Plankton wächst und das Kohlendioxid bindet. Eine kalifornische Firma namens Planktos will dem Planktonwachstum dagegen mit Eisenzugabe auf die Sprünge helfen.

Ich gestehe: Mit ist die Energiesparlampe sympathischer. Wer weiß, wie die Ökosysteme im Meer durcheinander geraten, wenn man im großen Stil düngt. Vielleicht drohen da negative Rückkopplungseffekte, die den Anteil der Treibhausgase in der Luft noch erhöht. Man denke nur an FCKWs: Einst gefeiert als ideale inerte und ungiftige Substanz für Kühlschränke, Feuerlöscher und Spraydosen. Heute bekannt als Zerstörer des Ozonschilds.

Ähnlich den Energiesparlampen gibt es viele kleine Möglichkeiten, Energie sparsamer und gescheiter einzusetzen. Nur weil der Treibhauseffekt ein großes Problem ist, heißt es nicht, dass auch die Lösungen groß sein müssen. Lassen wir die Ozeane lieber in Ruhe. (wst)