Die echte Flatrate
Im vergangenen Monat habe ich ein ganz neues Kapitel in meiner langjährigen Hassliebesbeziehung zur Deutschen Telekom AG aufgeschlagen: Erstmals enthielt meine Telefonrechnung keine einzige Minute Gesprächsgebühren mehr.
Der Telekom gehts mies. Erst kürzlich meldete sie einen dicken Verlust, zehntausende Mitarbeiter sollen in Service-Gesellschaften ausgelagert werden, und in fast allen Segmenten knabbert die Konkurrenz ihr weiterhin verstärkt Marktanteile ab. Ich muss zugeben, dass mir der Konzern trotz aller Scherereien über die Jahre dann doch irgendwie ans Herz gewachsen ist. So bestelle ich meine DSL-Leitung und den ISDN-Anschluss seit Ewigkeiten dort, weil man hier (okay, zumindest theoretisch ...) mit vernünftiger technischer Unterstützung rechnen kann und die Jungs wenigstens noch direkt an die Leitung kommen.
Das heißt aber noch lange nicht, dass der Rosa-Riese mich zum Kunden des Monats erklären würde: Ich zahle ihm nämlich wirklich nur das, was ich wirklich zahlen muss. Augenscheinlich wurde das auf meiner letzten Telefonrechnung. Es war die erste, die bis auf die Grundgebühren für DSL und ISDN kein einziges Telefongespräch enthielt – dabei habe ich den Monat über (natürlich) fleißig ferngesprochen.
Wie ich das hinbekommen habe? Ganz einfach: Ich nutze Drittanbieter. Meine DSL-Flatrate, die auf der Telekom-Leitung aufsetzt, kommt von einem Resale-Anbieter. Meine Telefonie samt Fax wickele ich über einen Voice-over-IP-Anbieter ab, der mir sogar eine Flatrate in diverse europäische Länder bietet. Die Telekom nutze ich eigentlich nur noch dann, wenn ich per VoIP nicht erreichbare Dienste anwählen will, was alle Schaltjahre mal vorkommt. Ansonsten ist mein ISDN-Anschluss nur noch reines Empfangsmedium, denn auf diesem liegen ja noch die seit Jahren etablierten Nummern. (Außerdem geht ISDN als Fallback immer – auch im Notfall.)
Nun mag man einwenden, meine Diversifikationsstrategie sei ein wenig übertrieben und womöglich gar unbequem. Schließlich wirbt die Telekom seit Monaten mit so genannten "Paketpreisen". (Natürlich nur, um den Umsatz pro Kunden hochzutreiben.) Aber das ist keineswegs so: Es lohnt sich ganz einfach. Bei allem, was ich nutze, bin ich mit den Drittanbietern nämlich nach wie vor deutlich unter den Tarifen der Telekom. Das fängt bei der DSL-Flatrate an und endet noch lange nicht bei Ferngesprächen und Handy-Telefonaten. Da kann die Telekom noch so sehr mit irgendwelchen All-in-One-Tarifen locken: Da pfeif ich doch drauf, sie rechnen sich in meinem Fall einfach nicht.
Derweil tut die Telekom alles, um mich und andere Kunden so weit wie möglich zu binden: Eben mit den erwähnten Paketangeboten, aber auch, weil sie die Portierung von ISDN-Nummern auf VoIP bislang nicht zulässt. Und dass man in Deutschland bis dato noch immer keinen "DSL pur"-Zugang bekommt (was sich womöglich bald ändert), halte ich für einen Skandal: Man m u s s als Telekom-Kunde mindestens einen einfachen Telefonanschluss für immerhin knapp 16 Euro besitzen, um in den Genuss eines schnellen Internet-Zugangs zu kommen, egal ob man ihn braucht oder nicht.
Ganz von der Telekom weg wechseln wĂĽrde ich ĂĽbrigens nicht. Der einfache Grund: Dann ginge auch kein Call-by-Call mehr, das bei bestimmten Auslandszielen (oder manchmal auch Handynetzen) noch billiger sein kann als VoIP. Bin ich nicht ein treuer Kunde? (wst)