Grüße aus Shanghai!

Chinas Regierung hat sich zwar zum Ziel gesetzt, den Energieverbrauch um 20 Prozent zu senken, doch bis das von oben bis unten durchgesickert ist, braucht es Zeit.

vorlesen Druckansicht 1 Kommentar lesen
Lesezeit: 1 Min.

Die wichtigste Energiequelle ist das Energiesparen – das wurde so oft gesagt und geschrieben, dass ich es nicht mehr hören kann. Doch welche Dimensionen dieser Satz hat, wird erst so richtig klar, wenn man sich etwa in Shanghai umschaut. Überall wachsen Apartmenthochhäuser aus dem Boden, und jedes einzelne Apartment hat eine eigene Klimaanlage, die außen an der Fassade angebracht ist. Durch die Landflucht müssen in den nächsten Jahren schätzungsweise 300 Millionen Wohnungen – mehr als die Bevölkerungszahl der USA – neu in Chinas Metropolen gebaut werden. Das bedeutet: 300 Millionen neue Klimaanlagen, mit denen im Winter auch geheizt wird. Zentrale Kältesysteme oder Heizungen sind außer in Hotels oder Bürogebäuden wenig verbreitet. Dabei wären sie nicht nur effizienter, sondern auf lange Sicht wohl auch billiger als die Einzelkisten. Aber die Bauträger wollen Kosten sparen, und die Wohnungskäufer haben sich offenbar daran gewöhnt, ihre Klimaanlage individuell zu erwerben.

Chinas Regierung hat sich zwar zum Ziel gesetzt, den Energieverbrauch um 20 Prozent zu senken, doch bis das von oben bis unten durchgesickert ist, braucht es Zeit. Selbst in einem Land wie China, das stolz darauf ist, Großprojekte wie die Expo 2010 in Rekordzeit durchzuziehen. Doch gerade Großprojekte sind es eben nicht, die bei der Energiepolitik das Ruder herumreißen, sondern eine große Menge kleiner Veränderungen. (wst)