Versuchs mal mit Massaker
Wer in einem chinesischen Internetcafe nach Tabu-Wörter googelt, kann manche Überraschung erleben.
Dass Chinas Behörden das Internet zensieren, ist bekannt. Doch wie genau macht sich diese Zensur bemerkbar, auf welcher Ebene greift sie, wie konsequent oder inkonsequent ist sie? Um das zu erfahren, habe ich in einem Internetcafe am Flughafen Peking die Tabu-Begriffe "tian an men square massacre" und "falun gong" gegoogelt und geyahoot. Die ersten Treffer bei Google – Wikipedia, Youtube, BBC und christusrex.org – sind komplett blockiert. Klicke ich sie an, erhalte ich die Fehlermeldung "Error 404 – File not found". Beim Suchbegriff "Falun Gong" war das Ergebnis ähnlich.
ZurĂĽck in Deutschland habe ich die Suchanfrage wiederholt. Die Ergebnisseite bei Google zeigte in etwa die gleiche Trefferliste. Sollte Google also gezielt die Suchergebnisse seiner chinesischen Dependancen beeinflussen, konnte ich dafĂĽr jedenfalls mit diesem kleinen Experiment keinen Hinweis finden. DafĂĽr, dass die Treffer blockiert waren, kann Google schlieĂźlich nichts. So weit, so gut.
Interessanter, ja geradezu absurd, war die Sache hingegen bei Yahoo. Zunächst wieder die Suche nach dem "Tian an men square", dem Platz des himmlischen Friedens, allerdings ohne das Suchwort "massacre". Das war auch gar nicht nötig, denn Yahoo selbst liefert es nach: "Also try: 1989 tiananmen square massacre, tiananmen square massacre video" empfiehlt die Suchmaschine auch denjenigen Besuchern, die vielleicht nur ganz unschuldig nach touristischen Informationen gesucht hatten. Dem vorausseilenden Ungehorsam eines wertneutralen Algorithmus scheint kein Zensor gewachsen zu sein. Die Suchergebnisse entsprachen ansonsten im Wesentlichen denen Googles und waren wie üblich blockiert.
Hochgradig seltsam fand ich dann aber das Ergebnis bei der Yahoo-Suche nach der verbotenen Bewegung "Falun Gong": Hier war plötzlich die gesamte Ergebnisseite gesperrt, statt einer Trefferliste erhielt ich einen "Error 404". In China werden also offenbar nicht nur einzelne Seiten wie etwa Wikipedia gesperrt, sondern komplette Suchstrings von Suchmaschinen. Wieso gerade bei Yahoo und nicht bei Google? Wieso bei Yahoo nur "Falun Gong" und nicht "tiananmen square massacre"? Ich weiß es nicht. Jedenfalls arbeitet die chinesische Webzensur offenbar ziemlich inkonsequent und nicht besonders subtil. Der Trost dabei: die chinesischen Nutzer können immerhin klar erkennen, was ihnen vorenthalten wird. (wst)