Spam aus der Vergangenheit
Seit dem Frühjahr schon überfluten deutschsprachige Börsenspam-Müllmails die Postfächer vieler User. Geworben wird für Aktien von Zombi-Unternehmen aus der New Economy. Die Finanzaufsicht tut bislang noch nichts.
Erinnern Sie sich noch an einstige "Neue Markt"-Aktien-Highflyer wie Popnet, Adori, Met@box oder Cargolifter, die dann mit ihrer Insolvenz (und dem verdienten Ende der überhitzten "New Economy") ins Bodenlose stürzten? Man wundert sich ja manchmal, was aus ihnen geworden ist. Dass selbige Werte überhaupt noch gehandelt werden, erfuhr ich unlängst ausgerechnet durch einen Blick in den Müllmail-Ordner meines E-Mail-Programms.
Schon seit Februar häufen sich dort "Kaufempfehlungen" für die nur noch für wenige Cents gelisteten ehemaligen Hype-Heroen. Offensichtlich ist da noch jede Menge Dotcom-Schrott in Form von Aktienmänteln auch nach der Insolvenz noch an der Börse. Die Firmen haben zwar keine Mitarbeiter mehr und höchstens noch einen Insolvenzverwalter, vom Handel ausgeschlossen sind sie aber nicht. Und so treiben Spam-Betrüger nun ihr Unwesen damit, wie sie es in den letzten Jahren nur an US-Aktienmärkten taten.
Das Prinzip ist dabei das so genannte "Pump and Dump": Die Spammer decken sich zuvor günstig mit dem Papier ein und verkaufen es dann an die arglosen Müllmail-Empfänger, die den Kurs bei solchen Werten mit geringer Marktkapitalisierung und minimalem Handelsaufkommen schnell nach oben treiben können. Blöd nur, dass die Chancen, mit so etwas Geld zu verdienen, ungefähr einem Lottogewinn entsprechen: Das Verhältnis zwischen Brief- und Geldkurs ist gigantisch und das Prinzip des "Der nächste Dumme kauft's ja" funktioniert nur für die Spammer.
Was mich bei all dem wundert: Die Sache scheint die Börsenaufsicht bislang nicht zu interessieren. Während in den USA Börsenspam-Werte längst auch mal vom Handel ausgeschlossen werden, ist das Phänomen hier zu Lande offenbar noch zu neu, um von BaFin und Co. wahrgenommen zu werden. Warten wir's ab, bis das erste größere Verbrauchermagazin darüber berichtet und sich genügend Opfer melden. Bis dahin sollte man solche Müllmails da lassen, wo sie sowieso schon dank moderner Filtertechnik landen: Im Spam-Ordner. (wst)