Die digitale LĂĽcke

So schön es auch ist, dass man heute all seine Multimedia-Inhalte auf dem Rechner haben kann: Was tun, wenn man etwas nicht (mehr) findet?

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Ich gehöre zu jener Spezies von Musikfreunden, die sich einst bei Erscheinen der CD mit nahezu jedwedem geschmackvollen Tonmaterial eindeckten, das sie in die häufig zu groß geratenen Griffel bekommen konnten. Ergo: Seit langer, langer Zeit geht ein nicht geringer Teil meines "Disposable Income" in die Taschen der Musikindustrie. Das ist heute immer noch so, allerdings besorge ich mir meinen Hörnachschub inzwischen nicht mehr auf Plastikscheiben, sondern direkt auf die Festplatte, iTunes & Co. sei Dank.

Dieser Sprung ins Download-Zeitalter geht inzwischen so weit, dass ich mich neulich entschloss, meine mühsam aufgebaute CD-Sammlung einzumotten und in Kisten in den Keller zu verfrachten – das Medium ist einfach viel zu unpraktisch geworden und den Platz im Regal kann ich anderweitig gebrauchen.

Allerdings musste ich nach dieser groß angelegten Umzugsaktion leider feststellen, dass ich nicht all meine zahlreichen Tonträger in meinen PC eingelesen hatte – da fehlte einiges, mutmaßlich hervorgerufen durch den großen iPod-Crash von 2003 (oder war's 2002?), der in meinem Haushalt bereits zu den großen Familienlegenden gehört, die ich an meine Nichten und Neffen weitergeben werde.

Anyway: Da wollte ich also eines Abends diese zwei, drei Alben dieser wunderschönen unabhängigen Pop-Formationen hören, bei der sich einige hochkarätige Studiomusiker irgendwann in den frühen Neunzigern so schön ausgetobt hatten. Das Problem: In meiner Jukebox-Software fand ich die Scheiben nicht. Hatte ich ausgerechnet diese Werke der abendländischen Tonkunst nicht gerippt? War der bereits erwähnte große iPod-Crash der Übeltäter?

Schließlich befand ich mich, wie der Engländer so schön sagt, zwischen einem "Rock" und einem "Hard Place": Entweder ich würde die diversen Kisten im Keller nach den CDs absuchen oder ich müsste mir die Scheiben einfach nochmal kaufen, macht ungefähr 30 bis 40 Euro, Dankeschön. Wäre es nicht hübsch, dachte ich mir da, wenn man irgendwo speichern könnte, welche Musik man schon besitzt, um dann unendlich viele Kopien (nach)ziehen zu können, falls man mal etwas verliert? Aber nein, so benutzerfreundlich ist die Musikindustrie ja nicht. Die muss den nächsten Seifenblasen-"Superstar" suchen oder Tauschbörsen-nutzende Teenies verklagen.

Raten Sie mal, was ich gemacht habe. Am nächsten Wochenende ist erneutes Kelleraufräumen angesagt. (wst)