One Letdown Per Child?

So schön das 100-Dollar-Laptop-Projekt für die Kinder der Dritten Welt auch gedacht war: Es sieht inzwischen nach einer größeren Enttäuschung aus.

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Der MIT Media Lab-Gründer Nicholas Negroponte ist ein feiner Mann - und sein "One Laptop Per Child"-Projekt (OLPC), bei dem möglichst viele junge Menschen in den ärmeren Ländern in den Genuss eines Rechners kommen sollen, durchaus sehr begrüßenswert. Allerdings kommt das Vorhaben des Digitalvisionärs seit seiner Ankündigung recht schleppend voran - und erinnert, man möge mir solch harsche Worte verzeihen, langsam an Microsofts ständige Software-Verschiebungen von "Vista".

Am Freitag nun wurden gleich zwei negative Neuigkeiten zum OLPC-Projekt bekannt. Letdown Nummer 1: Die ersten Geräte werden fast das Doppelte kosten, als zunächst geplant - satte 176 Dollar. Erst wenn der "XO" genannte Mini-Rechner, dessen Innenleben durchaus innovativ ist, in größeren Stückzahlen vom Band läuft, soll der Preis sinken. Offensichtlich war da der ein oder andere Partner nicht bereit, weiter mit seiner Marge herunterzugehen - selbst wenn OEM-Partner und Zusammenschrauber Quanta beteuert, ganze 3 Dollar pro Gerät zu verdienen.

Letdown Nummer 2: Der "XO" wird auch Windows beherrschen. Der Plan, den Rechner gänzlich im Open-Source-Gedanken und auf Linux-Basis umzusetzen, scheint durch Lobbyarbeit seitens Redmond torpediert worden zu sein. Nun kann man natürlich sagen, die "XO"-Oberfläche "Sugar" sei sowieso viel zu neuartig gewesen - sie hatte sich tatsächlich recht deutlich von grundlegenden Bedienkonzepten aktueller PCs entfernt. Aber genau das war ja die Innovation.

Wenn nun tatsächlich alternativ Windows auf den "XO" aufgespielt werden kann und Microsoft einen guten Preis macht (davon ist angesichts der Bedeutung des Projektes auszugehen), kann man das auf Red Hat Linux aufsetzende "Sugar" quasi knicken. Dabei hätte auch das Open-Source-Betriebssystem mit Ubuntu & Co. interessante "normale" Desktop-Oberflächen anbieten können. Da es in freier Software inzwischen nahezu alles gibt, was ein Lernwilliger braucht, wäre das sicher nicht die schlechteste Idee gewesen - eine Einführung in übliche Desktop-Technologien inklusive.

Zusammenfassend muss man also sagen, dass sich das OLPC-Projekt doch sehr von seinen Wurzeln entfernt hat. Die Maschine ist zu teuer, teilweise zu leistungsschwach und eben nicht so kommerzfrei, wie es hätte sein können. Wie praktisch, dass Microsoft neulich ein Softwarepaket für Entwicklungsländer angekündigt hat, das sich explizit an Schüler richtet. Dabei könnten gerade diese Regionen dank Open Source auf eigenen Füßen stehen. (wst)