Der Domain-Krieg
Haben Sie sich auch schon mal gefragt, warum nahezu jede halbwegs gute Internet-Adresse nicht mehr verfügbar ist, sondern auf irgendwelche "Parkseiten" zeigt? Die Antwort: Das Geschäft mit Vertippern ist enorm attraktiv.
Es gibt Internet-Imperien, die kennt kein Mensch. Haben Sie beispielsweise schon mal von Agoga.com gehört? Dabei handelt es sich um ein Unternehmen, das laut eigenen Angaben insgesamt 300.000 Domain-Namen besitzt und damit einem Bericht in der letzten Ausgabe von "Business 2.0" zufolge satte 30 Millionen Besucher und entsprechend hohe Werbeumsätze in dreistelliger Millionenhöhe anzieht.
Irgendwelche spannenden Inhalte, die die vielen Besucher erklären könnten, gibt's bei Agoga.com allerdings nicht. Im Gegenteil: Es handelt sich dabei um nicht viel mehr als Seite um Seite voller Reklamelinks, die auf andere kommerzielle Anbieter zeigen – bezahlt, versteht sich. Agoga.com, das von einem gewissen Kevin Ham aus dem kanadischen Vancouver betrieben wird, ist nämlich in einem besonderen Geschäft tätig: Der Mann ist ein so genannter "Typo-Squatter".
Das heißt: Er schnappt sich unzählige Domains dank spezieller Verträge mit zahlreichen Internet-Registraturen, die ganz nah an populären Web-Adressen liegen. Da wird dann aus "Newyorktimes.com" schnell mal "Newyorktimes.cm" – wer das eintippt, landet nicht beim "Paper of record", sondern bei Agoga.com. (".cm" ist die Länderdomain des afrikanischen Landes Kamerun.)
Laut "Business 2.0" ist Typo-Squatting inzwischen ein gigantisches Geschäft. Ham arbeitet beispielsweise aktuell an Deals mit den Regierungen von Oman (".om"), Niger (".ne"), Äthiopien (".et") und Kolumbien (".co"), um sein Imperium der Vertipper noch auszudehnen. Betroffene Firmen können zunächst nichts tun und müssen im schlimmsten Fall im Ausland klagen.
Ham ist beileibe nicht der einzige Domain-Unternehmer. Andere Branchengrößen haben sich darauf spezialisiert, ausgelaufene Domains aufzukaufen und dann zu versteigern. So lange die teils hoch attraktiven Adressen nicht vermarktet sind, wird eben Werbung auf so genannten "Parkseiten" geschaltet. Der Nutzer wird auch dort von Link zu Link geschickt – und jeder Werbeklick bringt Geld. Sinnvolle Inhalte findet man fast nirgendwo.
Das Resultat: Wer vorhat, sein Internet-Geschäft unter einer einprägsamen Adresse durchzuführen, braucht eine dicke Brieftasche und/oder viel Geduld. Vielleicht nutzen Web 2.0-Firmen auch deshalb so merkwürdige Namen mit weggelassenen Vokalen... (wst)