Soft statt Hard

Mobiltelefone sind noch immer erstaunlich statisch - selbst bei Smartphones traut sich kaum ein Nutzer, sie regelmäßig auf den neuesten Stand zu bringen. Doch der Markt beginnt, die Geräte als Software zu begreifen.

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Neulich habe ich versucht, mein mit vielerlei Funktionen ausgestattetes Multimedia-Handy aus dem Werk eines japanisch-schwedischen Herstellers zu aktualisieren.

Das Firmware-Update war ein kleiner, bürokratischer Alptraum: Ich musste merkwürdige Tastenkombinationen drücken, den Akku zu einer vorgegebenen Zeit entnehmen, auf Downloads aus dem Internet warten und durfte schließlich gespannt einem Update-Balken folgen, der sich erst nach einer guten Viertelstunde der 100-Prozent-Marke näherte.

All das war eine eher unangenehme Erfahrung, dabei war der Vorgang an sich sehr sinnreich: Mit der neuen Firmware beseitigte der Hersteller nervige Fehler, die zuvor unter anderem zum Einfrieren einiger Applikationen geführt hatten. Dennoch kann ich mir kaum vorstellen, dass Otto-Normal-Nutzer eine solche Prozedur regelmäßig über sich ergehen lassen würden, dafür war das alles wirklich viel zu nerdig.

In diesem Zusammenhang kam mir schnell die Frage in den Sinn, warum Mobiltelefone selbst aus dem Smartphone-Segment noch so schrecklich statisch sind und die Hersteller sie eher als Hardware denn als Software begreifen. Klar, man kann eigene Programme für Standards wie Symbian, Windows Mobile oder UIQ in die Geräte schaufeln, doch die eigentlichen Grundfunktionen und Betriebssysteme bleiben bis auf Bugfixes meist beim Alten.

Apples seit kurzem verfügbares iPhone könnte das nun aber ändern - es ist auf Updates angelegt. Der Hersteller verbucht das Gerät extra über einen Zeitraum von zwei Jahren, damit signifikante Aktualisierungen kostenlos erscheinen können, ohne dass es börsenrechtliche Probleme gibt. Wen dann nervt, dass das Gerät beispielsweise derzeit noch keine Copy&Paste-Funktion oder eine Möglichkeit zur Videoaufnahme hat, kann zumindest hoffen, dass solche Features nachgereicht werden.

Ohne den iPhone-Hype an dieser Stelle weiter befeuern zu wollen: Das ist eine hübsche Entwicklung. Schließlich hat die IT Software erfunden, um Hardware dynamisch zu halten. Und die veraltet dann im Gegenzug nicht mehr so schnell. Das sollte auch für Mobiltelefone und andere Geräte gelten, die nicht auf den Namen PC hören. (wst)