Au(toma)tismus

Unintelligente Ansagen von Festplatte in modernen Verkehrsmitteln sind eigentlich nur für einen praktisch: Den jeweiligen Betreiber. Die Kunden hingegen können sie gründlich verwirren.

vorlesen Druckansicht 3 Kommentare lesen
Lesezeit: 2 Min.

Neulich saß ich in einer Maschine einer großen Billig-Airline, unterwegs von einer europäischen Metropole in die nächste. Dort wird man schon seit Jahr und Tag mit automatischen Ansagen beglückt, die in mehreren Sprachen wie staatlich vorgeschrieben die Sicherheitseinrichtungen des Flugzeuges schildern. Es mag ja sein, dass die Gesellschaft so ihre auf Minuten getimeten Startvorbereitungen optimiert und man so von nuscheligen Stewardessen verschont bleibt.

Der Automatismus hat aber auch einen entscheidenden Nachteil: Die immer gleiche Stimme von der Festplatte, auf die man spätestens nach drei Flügen nur noch mit dem innerlichen Schalten auf Gehirndurchzug reagiert, sorgt dafür, dass sich kaum jemand die Notfallmaßnahmen auf Dauer tatsächlich einprägt, so trivial sie im Einzelnen auch sein mögen.

Eine weitere, noch etwas neuere Effizienzmaßnahme bei der hier erwähnten Airline besteht darin, dass man noch vor der Landung mit einer Verabschiedung vom Band beglückt wird, kurz nachdem man den Sicherheitsgurt wieder anlegen und die Tische hochklappen soll. Offenbar kann man als Frachtvieh Passagier einfach nicht schnell genug aus der Maschine heraus sein.

Der Billigflieger bedankt sich also immer sehr früh artig für das Reisen, wünscht ein angenehmes Weiterkommen/Ankommen am gewünschten Endziel und freut sich schon auf den nächsten Trip mit uns/mir. Das große Manko der ebenfalls durch mangelndes Vertrauen in die Sprachkompetenz der Besatzung begründbaren Maßnahme: Zum Zeitpunkt der Ansage ist die Maschine eben noch in der gottverdammten Luft - und Landung und Start sind bekanntlich die schwierigsten Flugmanöver in der Fliegerei!

In diesem Beispiel bedeutete das schließlich, dass die Fluglinie sich bereits brav mit der Hoffnung auf einen angenehmen Flug verabschiedet hatte, bevor der Pilot (sicher auch windbedingt) eine der schlimmsten Landungen auf die Asphaltbahn hinlegte, die ich in meinem inzwischen doch recht umfänglichen Fluggastdasein erlebt hatte. Vom Kapitän hörte man dann, als wir schließlich doch unbeschadet zum Stehen gekommen waren, leider nichts mehr, der war wohl nicht sprachkompetent genug.

Vielleicht sollte die Airlines, wenn sie schon alle Ansagen auf und von der Festplatte haben wollen, auch gleich noch eine Turbulenzen-Entschuldigung aufzeichnen und abspielen, wenn die Maschine kräftig genug durchgeschüttelt wurde. Am Boden angekommen, kann die automatische Stimme ja dann auch noch einmal erwähnen, wo genau sich die Kotztüten befinden. Man muss doch auf alle Eventualitäten vorbereitet sein. Speicherplatz gibt's schließlich genug. (wst)