Bandbreiten-Geschacher
In England hätten Privatkunden-Provider gerne Geld von der BBC, weil diese ihre TV-Programme legal ins Internet stellen möchte. Dabei sind es die Netzbetreiber, die offenbar ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben.
Es ist ein allgemein äußerst löblicher Vorgang: Die öffentlich-rechtliche britische Senderkette BBC will ihren Gebührenzahlern etwas Gutes tun und stellt große Teile ihrer TV-Inhalte über eine neue Anwendung namens "iPlayer" ins Netz, auf dass die Zuseher das qualitativ hochwertige Programm mehrere Wochen auf Abruf genießen können – legal, ohne irgendwelches Piratentum oder halbseidenes Filesharing. (Dass das Ganze derzeit nur unter Windows funktioniert und DRM-vernagelt ist, sei hier einmal außen vor gelassen.)
Doch kaum ist der neue Internet-TV-Spaß im Testbetrieb, kommen ein paar sauer dreinblickende Gestalten aus dem Gebüsch: Es sind drei der größten Privatkunden-Provider des Landes, darunter die altehrwürdige British Telecom. Der schneidende Vorwurf: Das neumodische Multimedia-Zeugs von Tante "Beeb" kostet Bandbreite und überlastet dadurch Leitungen! Die daraus abgeleitete Forderung war noch einen Zacken schärfer: Die BBC solle die Provider dafür bezahlen, dass sie ihren Kunden die iPlayer-Bandbreite zur Verfügung stellt.
Einmal ganz davon abgesehen, dass die Debatte offensichtlich darauf hindeutet, dass die britischen Internet-Knoten nur eher mager ausgebaut sind und hier also jemand seine Hausaufgaben nicht gemacht hat – warum bezahlen wir unsere Provider überhaupt? Doch dafür, dass wir über sie auf das gesamte Internet zugreifen können – und zwar mit der jeweils möglichst schnellsten Geschwindigkeit, egal wohin es geht. Kein Nutzer oder Inhalteanbieter sollte dafür verantwortlich gemacht werden, dass Netze bei Endkunden-Providern zusammenbrechen – schließlich haben die dafür zu sorgen, dass ihre Infrastruktur stimmt und der Nachfrage angepasst wird. (Zudem gibt es aus dem New Economy-Boom 1998ff noch immer große Mengen an "Dark Fiber" im Boden, von denen wir heute noch nicht alles verwenden. Die Basis für all die Breitbanddienste ist also da. Und die BBC zahlt ihrerseits wieder viel Geld an ihre eigenen Provider, um Inhalte ins Netz zu stellen.)
Man kann der BBC also nur anraten, die Endkunden-Provider zu ignorieren beziehungsweise dagegen vorzugehen, dass diese, wie sie teilweise angekündigt haben, den iPlayer in seiner Bandbreite einschränken. Und die Endkunden sollten das tun, was jeder Kunde tut, der schlecht behandelt wird: Kündigen, und zwar schleunigst. (wst)