Meine Nummer gehört mir

Eine gute und vor allem eingeführte Adresse ist fürs Geschäft bekanntlich förderlich. Gleiches gilt für gut eingeführte Telefonnummern. Warum ist es da noch so schwer, sie überall hin mitzunehmen?

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Ich erinnere mich noch gut an die frühen Tage der Digitalisierung des deutschen Telefonnetzes, als die Telekom noch kaum Konkurrenz, dafür aber erstmals über erstaunlich komfortable Services verfügte. Dazu gehörte, dass man endlich, wenn man innerhalb einer Stadt umzog, auch seine Telefonnummer mitnehmen konnte - und nicht bei jedem Wohnungswechsel eine neue Zahlenkombination, die keiner zuvor kannte, aufs Auge gedrückt bekam.

Fast Forward ins Jetzt-Zeitalter. Auch heute sind Telefonnummern noch wertvoll, wenn sie gut eingeführt sind. Ich rühme mich beispielsweise unter Freunden gerne (sehr geeky, ich weiß), dass ich eine meiner Handy-Nummern inzwischen seit über zehn Jahren besitze, während die Kollegen dank andauernder Berufswechsel bei einem guten Dutzend angekommen sind. (Man muss dazu allerdings auch wissen, dass ich diesem einen SIM-Anbieter erstaunlich treu geblieben bin und deshalb eine mobile Nummernportierung noch nicht mitmachen musste.)

Bei meinem Festnetzanschluss steht mir die Rufnummernmitnahme von Anbieter zu Anbieter nun womöglich bevor - und zwar in Richtung einer noch hochmoderneren Technologie namens Voice-over-IP. Erst einmal freue ich mich darüber, dass dies inzwischen überhaupt funktioniert. Seit 1998 soll man in Deutschland zwar Festnetzrufnummern von Anbieter zu Anbieter mitnehmen können, doch die VoIP-Kompatibilität dieses Vorganges wurde lange ausgebremst. Inzwischen scheint es zu gehen: Ich soll, sagt mein VoIP-Anbieter, einfach über ihn eine Kündigung meines ISDN-Anschlusses einreichen. Dann, und nur dann, landen meine drei mir so gut gefallenden ISDN-Nummern mit der schönen Zahlenkombination beim VoIPler - was mich einen kleineren zweistelligen Betrag an die Telekom kosten soll.

Sind die Nummer dann einmal "im Internet" angekommen, werden sie wirklich portabel - überall, wo ich mich einlogge oder meinen VoIP-Router aufstelle, kommen sie an. Das geht also auch im Urlaub, ohne dass ich irgendwelche Weiterleitungsgebühren zu zahlen hätte.

Wer bis hierhin aufgepasst hat, wird das große Dilemma bei meinem Vorhaben bereits bemerkt haben: Ja, tatsächlich, die Rufnummermitnahme nach VoIP geht nur, wenn ich meinen ISDN-Anschluss bei der Telekom auch tatsächlich kündige (was dann übrigens auch den Wegfall von DSL miteinbezieht!). Ein bloßes "Ich will neue Nummern, meine alten Nummern gehen da und da hin" wird leider nicht akzeptiert. Das heißt auch, dass ich dann gleich einen neuen ISDN-Anschluss beauftragen müsste, oder, was ich vermutlich mache, einen billigeren Analoganschluss. Schließlich laufen dann die drei alten ISDN-Nummern portiert problemlos gleichzeitig per VoIP und Highspeed-DSL bei mir ein.

Nun muss ich mir nur noch ausrechnen, wann sich das Ab- und wieder Anmelden des Anschlusses amortisiert. Kostet ja schließlich wieder Anschlussgebühren, weil bei der Telekom irgendwer irgendwas schalten muss. Und einen neuen DSL-Vertrag bräuchte ich ebenfalls. Und alles nur wegen meiner Nummern. (wst)