Her mit der Stiftung Usability-Test!
Auch große und viel verwendete Websites kommen gerne einmal mit satten Benutzungsproblemen daher. Wie wäre es daher mit einer unabhängigen Institution, die Positivbeispiele lobt und Negativbeispiele mindestens verbal abstraft?
Das Thema Web-Usability, sprich: Benutzbarkeit von Internet-Angeboten, hat ja nun bereits eine längliche Geschichte hinter sich. Kaum ein größeres Angebot geht ohne Tests mit echten Benutzern online, zahlreiche Experten tummeln sich auf dem Gebiet. Ich frage mich trotzdem, wie es sein kann, dass manches kommerzielle Angebot trotzdem so schlecht ist – wo dort doch echte Geschäfte abgewickelt werden.
Mein Lieblingshassbeispiel ist die Website der Deutschen Bahn. Die hat ja nun schon seit einigen Jahren so genannte Sparpreise eingeführt, die sich je nach Zug und Vorabbuchungsfrist preislich sehr deutlich unterscheiden. Es gibt allerdings bis heute keine Übersicht, auf der alle möglichen Züge mit Preisalternativen stünden – nein, man muss alles von Hand ausprobieren, bekommt nur geschätzte Angaben genannt, die man dann mit einem weiteren Mausklick jeweils einzeln überprüfen muss. (Besonders frustrierend dabei ist, wenn die Trefferquote dann auch noch bei gleich 0 liegt.)
Aber auch Nachrichten-Websites, die im Geschäft mit der Aufmerksamkeit sind, könnten manchen Schlag mit der Usability-Keule gebrauchen. Online-Reklame, die den Nutzer davon abhält, an die tatsächlichen Inhalte zu gelangen, sorgt niemals für ein positives Bild für den Werbetreibenden. Trotzdem werden immer noch höchst nervige "Layer Ads" gebucht, die man sich nur mit Mühe wegklicken kann. Auch das führt dazu, dass viele Nutzer heutzutage auf Werbeblocker setzen, was den Verlegern keinesfalls gefallen dürfte.
Im Web 2.0-Segment sieht es teilweise kaum besser aus. Trickreiche Widgets, Tag-Clouds oder hippe Ajax-Zaubereien mögen zwar nett aussehen, entsprechen aber viel zu selten den tatsächlichen Bedürfnissen der Nutzer. Soziale Netzwerke verbauen den Zugang mit Registrierungsverpflichtungen und tun so, als seien sie ein Online-Dienst, aber kein Teil des offenen Internet mehr. Im Weblog-Bereich wird hingegen gerne die Aufbereitung älterer Inhalte verpasst – an diese teils hoch interessanten Archive kommt man normalerweise am besten durch Google, nicht aber über die völlig sinnlosen Kalenderansichten, die traditionell in keinem Netztagebuch fehlen dürfen.
Fazit: Es wäre einmal an der Zeit, wenn sich die ein oder andere Institution aufmachen würde, gute Usability positiv zu bewerten – und vielleicht auch einen Negativpreis für solche bedeutsamen Angebote vergibt, die unsere wertvolle Zeit mit unnötigen Blockaden verschwenden. Eine Art Stiftung Usability-Test, sozusagen. Schließlich bedeutet Usability nichts anderes als die Möglichkeit für den Nutzer seine Ziele effektiv, effizient und zufriedenstellend zu erreichen. Das kann ja eigentlich nicht so schwer sein. (wst)