Sport Plus
Der neue Porsche Boxster Spyder glänzt mit mustergültiger Präzision auf jeder Strecke. Zu dieser sportlichen Haltung passt - genau - ein manuell zu betätigendes Verdeck. Es zeigt, dass die Ingenieure zwar ihre Hightech im Griff haben, aber kein unkompliziertes Stoffdach mehr hinkriegen
- Marcel Sommer
Florenz, 1. Juli 2015 – Der schöne Jaguar F-Type S gilt mit seinem kernigen V6-Sound bislang als einer der lautesten Sportwagen auf Deutschlands Straßen. Nun bekommt er Konkurrenz, ausgerechnet von Porsche: Selten zuvor wurde ein Fahrzeug auf die Straße gelassen, das weniger als 100.000 Euro kostet und dennoch so laut röhrt wie der neue Porsche Boxster Spyder. Aber der Lärm soll hier gar nicht das Thema sein, wenn man sich natürlich fragen sollte, warum ausgerechnet so kompetente Sportwagen so laut sein müssen. Gerade die hätten es doch am wenigsten nötig, abgesehen von der zweifelhaften Eigenwerbung, die ihre Fahrer damit für sich selbst betreiben.
Genauer gesagt kostet der 375 PS und 420 Nm starke Boxster mindestens 79.945 Euro, 4055 Euro weniger als ein F-Type S. Der hat fünf PS mehr und fährt damit 275, während der Porsche 290 Sachen schafft. Beim 100er-Sprint liegt der 4,41 Meter lange Spyder mit 4,5 Sekunden fast eine halbe Sekunde vorn. Doch mit solchen dürren Angaben kommt man dem Geheimnis des Porsche nicht auf die Spur, eher schon über sein Gewicht von 1390 Kilogramm und dessen Verteilung.
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Jedes Gramm an der richtigen Stelle
Schon auf den ersten Metern wird deutlich, dass seine Massenzentrierung und Balance hervorragend gelungen sind. Ob Kurven, Geraden oder auch die eine oder andere Unebenheit - den neuen Spyder bringt so schnell nichts aus seinem stoischen Gleichgewicht. Besonders in Kurven spielt der 3,8 Liter-Mittelmotor-Sportler seine Stärken aus. Dank der elektromechanischen Servolenkung und hervorragend dosierbaren Bremsen lässt er sich vor jeder Kurve präzise positionieren und einlenken. Eventuelle Kanten und Ecken in der Linie feilt die Traktionskontrolle PSM fast unmerklich zurecht. Beim manuell geschalteten Boxster eigentlich Pflicht ist der sogenannte Sport-Plus-Modus. Jetzt löst jedes Herunterschalten einen automatischen Zwischengasstoß aus, der die Drehzahl abstimmt, um fahrdynamisch störende Lastwechsel beim Einkuppeln zu minimieren.