Allmacht gib uns heute

Der Kampf um die Aufmerksamkeit von Redaktionen nimmt bisweilen recht putzige Züge an.Vor allem, wenn es um Werbung für Überwachungs-Software geht.

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Der Kampf um die Aufmerksamkeit von Redaktionen nimmt bisweilen recht putzige Züge an. So landete vor kurzem eine E-Mail in meinem Posteingang, in der der Hersteller einer Überwachungssoftware auf recht eigenwillige Weise für sein Produkt warb: "Die Menschen leben heute in zwei verschiedenen Welten", schwurbelte der Webetexter fröhlich los. "Die erste ist eine Welt voller Lächeln und freundlicher Umarmungen, die zweite ist eine Schattenwelt, voll von geflüsterten Geheimnissen, heimlichen Bündnissen und unerwarteten Verraten, die Ihr Geschäft schlichtweg zugrunde richten können".

Sie ahnen was dann kommt: "xxxxxx Software gibt hiermit bekannt, dass xxxxxx xxxxx 4.21veröffentlicht wurde. Wie aus der Überschrift bereits ersichtlich, zeichnet dieses Programm jeden Tastendruck auf, den ein Benutzer in Anwendungen macht, und speichert dann die ganze Informationen in eine besondere Protokolldatei." Das ist an dieser Stelle ja eigentlich viel zu dröges, technisches Geschreibe, deswegen haben die Jungs und Mädel von der Werbeagentur zwischendurch noch mal eine Schippe Kohlen nachgelegt: "Sollten Sie je daran gezweifelt haben, dass Ihre Bandbreite und Computer nur zu Arbeitszwecken und nicht für Chats, Pornos oder Shopping genutzt werden, werden Sie sich mit Hilfe der KGB-Software Gewissheit darüber verschaffen können. XXXXX XXXX wird Ihnen helfen, die Arbeitsdisziplin in Ihrer Firma zu verbessern und das Durchsickern von wichtigen Informationen frühzeitig herauszufinden, ehe es Ihrem Unternehmen schadet".

Dazu passend das putzige Software-Logo: eine Art stilisierte Sichel gekreuzt mit einer Lupe, statt einem Hammer. Was, liebe kreative Webe-Schaffende, soll uns das lehren? Das der Klassenfeind tatsächlich nie schläft (und die bösen, bösen Kommies also eigentlich recht gehabt haben)? Und was kommt als nächstes? "Gleichschaltung" und "Führerprinzip" für remote Control und effiziente Netzfilter? Oder "Blitzkrieg"-Software, die automatisch Abmahnungen und fristlose Kündigungen ausspricht?

Es ist mit daher ein echter Trost gewesen, dass der Kollege Daniel Bachfeld diesen Unfug bereits in heise security entwertet hat: "Solche Spionage-Tools dürfen glücklicherweise in Deutschland nur sehr bedingt eingesetzt werden, da sie die Persönlichkeitsrechte verletzen und meist auch gegen das Fernmeldegeheimnis verstoßen. Insbesondere wenn die Überwachung heimlich erfolgt, dürfte etwa ein Chef die gesammelten Beweise kaum für eine Abmahnung oder Kündigung verwenden können. Üblicherweise wird in seriösen Unternehmen etwa die Nutzung des Internets über eine Betriebsvereinbarung geregelt – ganz ohne Trojaner." (wst)