Bürokratieabbau und schnelle Autos für den ITK-Handel

Zuerst die schlechte Nachricht: Aus dem versprochenen Bürokratieabbau ist noch immer nichts geworden. Und jetzt die gute: Bei Wortmann gibt´s jeden Monat ein Auto zu gewinnen. (Nein, dies ist kein bezahlter Reklame-Artikel von Wortmann.)

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Von
  • Damian Sicking

Lieber Wortmann-Chef Siegbert Wortmann,

eigentlich wollte ich heute an den ehemaligen Superminister Wolfgang Clement schreiben. Der hat nämlich in der aktuellen Ausgabe der Wirtschaftswoche ein paar interessante Aussagen zu einem Thema gemacht, bei dem vielen Unternehmern und Managern regelmäßig die Galle hochkommt: Bürokratie! Clement sagt: "In einer Krise, wie wir sie jetzt erleben, muss man alles tun, um gefesselte Kräfte freizusetzen. Jetzt brauchen wir den Befreiungsschlag für weniger Bürokratie." Ja, die Bürokratie ... Das Leben könnte so schön sein, wenn es die Bürokratie nicht gäbe. Im vergangenen Jahr sagte auf der Jubiläumsveranstaltung zum 25-jährigen Bestehen des Unternehmens der Gründer der Bechtle AG, Gerhard Schick, dass er, hätte er vorher gewusst, wie viel bürokratische Hindernisse in der Folge immer wieder aus dem Wege zu räumen wären, die Firma nicht gegründet hätte. Aber davon können Sie, lieber Herr Wortmann, sicher ebenfalls ein Lied singen.

Unser früherer Superminister Clement hat sich während seiner Amstzeit in Sachen Bürokratieabbau übrigens auch nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Das gibt er auch selbst zu. "Ich habe auf diesem Feld viele Niederlagen erlitten", heißt das bei ihm. Auch für die derzeitige große Koalition stand der Abbau der Bürokratie einmal weit oben auf der To-do-Liste. Doch das Ergebnis ist bisher ziemlich mager. Wiederum die Wirtschaftswoche (Ausgabe 8/09, Seite 32, leider nicht online) hat dazu vor Kurzem erschreckendes Zahlenmaterial veröffentlicht. Danach muss die deutsche Wirtschaft jedes Jahr rund 47 Milliarden Euro an Bürokratiekosten schultern, nur um den gesetzlichen Vorgaben des Bundes zu genügen. 47 Milliarden Euro! Über 9.000 Nachweis-, Berichts- und Dokumentationspflichten sind zu erfüllen. Keine Gnade auch für Firmengründer: Sie müssen für die Erledigung aller Formalitäten 24 Tage budgetieren (in denen sie naturgemäß kein Geschäft machen können) und lernen dabei neun verschiedene Behörden kennen.

Bürokratieabau? Fehlanzeige! In einer Umfrage des Verbands der Familienunternehmer (ASU) sagten 85 Prozent der befragten Unternehmen, sie hätten von einem Abbau der Bürokratie noch nichts gemerkt. 59 Prozent der Firmen gaben sogar an, dass sich ihr bürokratischer Aufwand in den vergangenen zwei Jahren erhöht habe. Lediglich fünf (!) Prozent der 500 befragten Firmen sagten, ihr Bürokratieaufwand habe sich "etwas" oder "deutlich"verringert. Die größten Amtsschimmel sitzen der Umfrage zufolge übrigens bei den Berufsgenossenschaften, die beste Note erhalten die IHKs und Handwerkskammern; allerdings auch nur ein schwaches "befriedigend".

Das alles ist wenig erquicklich, und Vieles läßt sich dazu sagen und schreiben. Auch das Thema "Bürokratie innerhalb der Unternehmen" spielt hier mit rein. Denn auch in vielen Firmen wäre Bürokratieabbau sicherlich ein lohnendes Projekt. Über diese ganze Thematik wollte ich, wie gesagt, eigentlich mit Ex-Minister Clement diskutieren.

Doch dann stolperte ich plötzlich über das "Konjunktur-Paket" der Wortmann AG, und weil dieses Paket für viele Händler dann vielleicht doch interessanter ist als das Thema Bürokratieabbau, habe ich kurzentschlossen umdisponiert. Bei Ihnen, lieber Herr Wortmann, können Ihre Kunden aus dem Handel mit nur geringem bürokratischem Aufwand jeden Monat ein Auto gewinnen, einen VW Caddy. Also eine Konjunkturspritze, mit der man eine Konjunkturspritztour machen kann. Eine klasse Sache! Ein Opel wäre natürlich aus bestimmten Gründen noch besser gewesen, aber der VW Caddy ist auch eine gute Wahl. Vorausgesetzt natürlich, er ist anständig motorisiert. Also besser nicht die Einstiegsvariante mit 75 beziehunsgweise 80 PS. Die ist einfach zu lahm. Denn wie sagt unser früherer Superman, äh, -minister Clement doch so richtig: "Deutschland muss schneller werden."

Beste Grüße

Damian Sicking

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