Samsung und Heidi Klums schöne Marie

Marie Nasemann will Germany´s next Topmodel werden. Jetzt darf sie schon mal Reklame machen für Samsungs "Designer-Festplatten". Grundsätzlich eine gute Idee, aber es fehlt der Pep.

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Lesezeit: 5 Min.
Von
  • Damian Sicking

Topmodel-Kandidatin Marie Nasemann wirbt fĂĽr Samsungs S-Serie

(Bild: Samsung)

Liebe Samsung-Managerin Sun Spornraft,

Sie kennen den Spruch "Frauen und Technik – zwei Welten prallen aufeinander". Sie finden ihn blöd. Sie müssen es wissen. Als Product Marketing Manager DACH bei Samsung Semiconductor kennen Sie sich aus mit Technik, und als Frau kennen Sie sich aus mit Frauen. Deshalb sagen Sie: Frauen und Technik, das passt super zusammen. Wohl aus diesem Grunde haben Sie Marie Nasemann (20) zum "Gesicht der neuen Design-Festplattenserie S1 Mini und S2 Portable" gemacht, wie Sie uns diese Woche eigens per Presseinformation wissen ließen.

Marie Nasemann ist noch nicht so berühmt wie Angela Merkel oder Madonna, aber das wird sich sicher ändern. Spätestens dann, wenn sie den Wettbewerb "Germany´s next Top-Model" mit Heidi Klum gewonnen hat, an dem sie teilnimmt. Marie ist wirklich hübsch, wie man auch dem Anzeigenmotiv entnehmen kann. Ich würde an Ihrer Stelle an dem Motiv aber noch ein kleines bisschen arbeiten. Denn was der Betrachter derzeit sieht, ist eine junge Frau, die einen Stein in die Kamera hält. Das ist für den Anfang gar nicht so schlecht, denn es könnte sich schließlich um den Stein der Weisen handeln. Wir wissen es noch nicht. Die junge Frau sieht allerdings ziemlich genervt aus, weil ihr jemand gesagt hat, dass es sich um das brandneue Samsung-Handy handelt und sie jetzt schon eine halbe Stunde versucht hat, damit eine SMS zu schreiben, aber die Tastatur nicht findet. Ich hoffe, Sie haben ihr inzwischen gesagt, dass es kein Handy, sondern etwas viel Besseres ist, nämlich eine externe Festplatte, auf der sie ganz viele schöne bunte Bilder von sich speichern kann. Das erfahren wir Betrachter allerdings nicht, denn der Anzeigentext lautet lediglich "Design für unterwegs. Samsung S1 mini". Gut, wir wissen, dass Samsung keine Steine herstellt, aber was macht man mit einem Design? ("Ich hab zwar keinen Schimmer, wozu das Teil gut ist, aber sieht es nicht schnuckelig aus?")

Ansonsten: eine tolle Idee! In ihrer Presseinfo sagen Sie ja auch, dass Marie und die mobilen Designer-Festplatten von Samsung eine Menge gemeinsam haben. Finde ich auch. Ganz deutlich natĂĽrlich beim S1 Mini. Denn es gilt die Gleichung: "Mini" = "Frau". Wussten Sie, dass mehr als 70 Prozent der Fahrer eines Mini von BMW Frauen sind? Und der Frauenanteil beim Mini von OB liegt sogar bei fast 100 Prozent. Also wenn das nicht passt...

Noch mehr Gemeinsamkeiten zwischen Marie und der Samsung-Festplatte: Ein gefälliges, wenn auch etwas nichtssagendes Äußeres, und der unerfahrene Betrachter fragt sich in beiden Fällen: Was fange ich damit an? Was Marie betrifft, so kommt er vielleicht irgendwann darauf, in Bezug auf den Stein bin ich weniger optimistisch. Trotzdem: Rein äußerlich passen Marie und der Stein prima zueinander: Außen hart und mit einer glatten Oberfläche und innen ganz weich. Ach nein, das waren ja die Männer, die außen hart und innen ganz weich sind. Hat jetzt übrigens auch die Wissenschaft bestätigt. Sie fand nämlich ganz aktuell heraus, dass die Gehirne von Männern weicher sind als die von Frauen. Hätten Sie das gedacht? Vor diesem Hintergrund ist der Satz "Ey, du bist wohl weich in der Birne?!" keine Provokation und Beleidigung mehr, sondern schlichtweg eine Tatsachenbehauptung. Aber das nur am Rande.

Zurück zum Thema. Wie war das noch gleich? Ach ja, Frauen und Technik. Oder besser: Frauen und Werbung und Technik. Liebe Frau Spornraft, Ihr Ansatz, mit einer jungen hübschen Frau für ein Produkt zu werben, welches man nur mit sehr viel Wohlwollen als sexy bezeichnen kann, geht schon mal in die richtige Richtung. Ich hätte mir nur ein bisschen mehr Mut gewünscht. Andere machen Ihnen vor, wie es geht. Nehmen wir zum Beispiel die neue Werbung des Autovermieters Sixt. Verschiedene Motive von Frauen, für die man Verbrechen begehen würde. Dazu kurze, originelle und freche Texte. Zum Beispiel dieser: "In ihren fruchtbaren Tagen bevorzugen Frauen stürmische Männer, in den unfruchtbaren sanfte. Ein kluger Mann fährt nicht in beiden Phasen das gleiche Auto." Na, ist das klasse!? Noch einer: Frau, die jede Sünde wert wäre, sagt: "Nur primitive Männer fahren tolle Autos, um eine Frau rumzukriegen. Ich mag primitive Männer."

Meine Lieblingswerbung in der Kategorie Frauen und Technik ist schon elf Jahre alt, aber noch immer unübertroffen. Sie stammt vom Elektronikversender Conrad und lautete "Mit PCs ist es wie mit Frauen – wichtig ist, dass sie gut gebaut sind". Mann, war das damals ein Aufschrei bei allen frauenbewegten und unterdrückten...äh...Menschen hier in diesem unserem Lande! Die Kommentare der aufgebrachten Meute zu Conrads Werbespruch waren fast noch lustiger als der Spruch selbst.

Nun gut, fĂĽr solche Werbung wie die von Sixt oder Conrad ist es bei dem koreanischen Unternehmen Samsung wohl noch ein bisschen zu frĂĽh. Kann ja noch kommen.

Beste GrĂĽĂźe

Damian Sicking

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