Konica Minolta: Schnitzler for President

Die Einkommen und Boni der Manager stehen derzeit in der Kritik. Über das Gehalt eines Managers wurde bisher noch gar nicht gesprochen: das des neuen Konica-Minolta-Präsidenten Günther Schnitzler. Zeit wird´s ...

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Von
  • Damian Sicking

Lieber Konica-Minolta-Manager GĂĽnther Schnitzler,

herzlichen Glückwunsch zur Beförderung. Zum ersten April werden Sie Präsident der Konica Minolta Business Solutions Deutschland GmbH und damit Nachfolger von Kiyoshi Nakamura, der in seine japanische Heimat zurückkehrt. Sie, lieber Herr Schnitzler, sind nun schon fast 30 Jahre bei Minolta, haben sämtliche Höhen und Tiefen überstanden, kennen den indirekten und den direkten Vertrieb, haben die Übernahme von Konica gemeistert, sind als "Langnase" selbst schon japanisiert – wer wäre für die Position besser geeignet als Sie. Allerdings: "Präsident" einer deutschen GmbH – was ist das eigentlich genau? Sind Sie in dieser Position eher Horst Köhler (Repräsentanz) oder Angela Merkel (Macht)?

Lieber Herr Schnitzler, ist Ihre Beförderung auch mit einer schönen Gehaltserhöhung verbunden? Klar, ich weiß, das ist für Sie nicht das Wichtigste, die Herausforderung der neuen Aufgabe und so, das ist das einzige, was zählt. Aber trotzdem. Die Frage ist durchaus von Belang. Gerade auch für Sie, lieber Herr Schnitzler, der, sagen wir mal, der Pubertät schon ein paar Jahre entwachsen ist. Studien haben nämlich festgestellt, dass Menschen mit einem höheren Einkommen eine höhere Lebenserwartung haben als Bezieher eines geringeren Einkommens. Mit anderen Worten: Besserverdiener leben länger. Das sollte man wissen. Andererseits: Mit dem Leben an sich ist es wie mit anderen Dingen auch: Es kommt nicht auf die Länge an. Zumindest nicht nur. Gut soll es vor allem sein, das Leben, oder nicht? Wie sagte der Mediziner und Nobelpreisträger Alexis Carrel doch so schön: "Es kommt nicht darauf an, dem Leben mehr Jahre zu geben, sondern den Jahren mehr Leben." Aber schön, das ist ein Thema für sich.

Das mit dem Gehalt von Managern ist ja heute ein sehr heikles Thema. Ich kann gut verstehen, wenn Sie sich nicht dazu äußern wollen. Was man auch sagt, es ist auf jeden Fall falsch. Hauptsache, lieber Herr Schnitzler, Sie sind mit Ihrem Gehalt zufrieden. Sind Sie? Wenn ja, dann zählen Sie zu einer langsam aussterbenden Spezies. Denn bereits im vergangenen Jahr hatte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) festgestellt, dass immer mehr Erwerbstätige in Deutschland ihr Gehalt als zu gering und ungerecht empfinden – und zwar insbesondere die Bezieher mittlerer und höherer Einkommen. Motto: Wir verdienen nicht, was wir verdienen (heul). Die Unzufriedenheit ist über die Jahre zudem gewachsen und steigt im Westen schneller an als im Osten, was manch einer sicher nicht vermutet hätte. Männer sind unzufriedener als Frauen, obwohl Frauen ja skandalöserweise noch immer weniger verdienen, ich meine natürlich: bekommen als Männer. Erstaunlicherweise leben Frauen aber trotzdem länger als Männer, was ja mit dem oben Gesagten ("Besserverdiener leben länger") eigentlich nicht so richtig zusammenpasst. Männer verdienen zwar mehr als Frauen, sterben aber trotzdem früher. Vielleicht eine Form von ausgleichender Gerechtigkeit?

Nicht unwichtig in diesem Zusammenhang: Die Unzufriedenheit mit dem Gehalt schlägt sich negativ auf die Gesundheit nieder. Zumindest haben die Forscher vom DIW herausgefunden, dass Angestellte, die ihr Gehalt nicht in einem angemessenen Verhältnis zu ihrer Arbeitsleistung sehen, mehr krankheitsbedingte Fehltage haben als andere. Im Schnitt fehlen sie 2,5 Tage länger als Menschen, die kein Problem mit ihrem Gehalt haben. Vermutlicher Krankheitsgrund: Magengeschwür wegen intensiven Sich-Ärgerns. Oder sie haben einfach einen dicken Hals.

Lieber Herr Schnitzler, Einkommen hin, Gehalt her: Hauptsache die Kohle stimmt ...

Nochmals alles Gute und beste GrĂĽĂźe!

Damian Sicking

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