Warum IT-Hersteller NetApp als Sponsor in den Radsport einsteigt
Der Name NetApp ist außerhalb der IT-Branche so gut wie unbekannt. Das will Deutschland-Chef Manfred Reitner ändern und intensiviert die Sportförderung. Ausgerechnet im dopingverseuchten Radsport engagiert sich der Storagehersteller.
NetApp-Manager Manfred Reitner
(Bild:Â NetApp)
Lieber NetApp-Geschäftsführer Manfred Reitner,
man kennt das Unternehmen NetApp in Deutschland als Anbieter von Storage- und Virtualisierungslösungen. Aber ist das wirklich so? Stimmt das eigentlich? Wer kennt eigentlich NetApp, von ein paar Brancheninsidern abgesehen? Seien wir ehrlich: Der Bekanntheitsgrad der Firma und der Marke NetApp ist außerhalb der IT-Branche sehr gering. Das sehen Sie, lieber Herr Reitner, offenbar auch so und wollen das ändern. Daher haben Sie sich entschlossen, als Sponsor eines Radsport-Teams aufzutreten und auf diese Weise den Namen NetApp bekannter zu machen.
Als die Medien wie zum Beispiel der Kicker oder Sport1 in der vergangenen Woche über Ihr neues Engagement im Radsport berichteten, dürfte den zuständigen Redakteuren und den meisten ihrer Leser der Name NetApp zum ersten Mal in ihrem Leben begegnet sein. Trotzdem ist die Radsportwelt natürlich erfreut. Der TV-Sender Eurosport nahm diese Meldung zum Anlass, im Rahmen seiner Live-Berichterstattung von der Tour de France mit dem ehemaligen Team-Telekom-Radfahrer Jens Heppner ein Interview in zu den Hintergründen und Zielen des neuen "Team NetApp" zu führen. Heppner ist einer der beiden sportlichen Leiter der Mannschaft, zusammen mit Enriko Poitschke, der bis Ende letzten Jahres noch als Profi im "Team Milram" aktiv war.
Die neue Mannschaft mit Sitz in Raubling am Chiemsee (hier wohnt der Teamchef Ralph Denk, ein ehemaligen Mountainbike-Profi, der bereits Erfahrungen auf diesem Gebiet hat) will mit zunächst zwölf Fahrern klein anfangen und startet als sogenanntes Kontinental-Team in der dritten Liga. In vier bis fünf Jahren, sagte Heppner in dem Eurosport-Interview, möchte man aber so weit sein, dass man auch an der Tour de France teilnehmen könne. Nach dem Ausstieg der Telekom und des Mineralwasserherstellers Gerolsteiner als Sponsoren gibt es mit dem "Team Milram" derzeit nur ein einziges erstklassiges deutsches Radsporteam.
Der Sponsoring-Vertrag von NetApp geht zunächst über eine Laufzeit von zwei Jahren. Wie viel Geld Sie sich diese Marketingmaßnahme kosten lassen, wollen Sie nicht verraten, eine Summe im niedrigen sechsstelligen Eurobereich pro Jahr ist aber wahrscheinlich. Auffällig ist, dass Sie in Ihren Verlautbarungen nichts über Ihre Gründe sagen, in die Förderung des Dopingsports Nummer 1 einzusteigen. Heute ist es ja so, dass niemand mehr groß erklären muss, warum er als Sponsor aus dem Radsport aussteigt. Das versteht jeder (außer natürlich die eingefleischten Radsport-Enthusiasten). Heute muss man sich vielmehr erklären, warum man als Sponsor in den Radsport einsteigt.
Eine Antwort auf diese Frage liefert vielleicht der schweizer Unternehmer Andreas Rihs. Rihs ist Gründer des Hörgeräteherstellers Phonak und hat über Jahre das gleichnamige Radteam gesponsort und ließ sich auch von Dopingaffären (unter anderem gehörte der später disqualifizierte Tour-de-France-Sieger Floyd Landis zum Phonak-Team) nicht von diesem Weg abbringen. Warum er dies tat, erklärte Rihs in einem Interview im Jahr 2006: "Radsport ist die beste Kommunikationsform überhaupt. Es gibt nichts Vergleichbares. Es ist egal, ob Doping drin ist oder nicht", sagte er. Fußball oder Golf seien schlicht zu teuer, um ähnliche Bekanntheit zu erreichen. Dass es heute kein "Team Phonak" mehr gibt, hat nach Angaben von Rihs nichts mit der ungelösten Doping-Problematik im Radsport zu tun, sondern liege einfach daran, dass sich der Bekanntheitsgrad des Namens Phonak auf diese Weise nicht mehr weiter steigern lasse. Radsportfan Rihs mischt als Besitzer des schweizer Fahrrad-Herstellers BMC mit eigenem Rennstall übrigens nach wie vor in der Szene mit.
Lieber Herr Reitner, sicher ist es auch Ihr Ziel als Radsport-Sponsor, den Namen "NetApp" bekannter zu machen. Ein gleichnamiges Kontinental-Team in der dritten Liga ist ein Anfang. Die wirkliche Medienbeachtung und damit die Aufmerksamkeit beim Publikum finden Sie aber erst in der ersten Liga, also als Förderer und Namensgeber eines sogenannten ProTour-Teams, das an den bekannten Eintagesrennen im Frühjahr sowie den großen Rundfahrten wie Tour de France, Giro d´Italia und Vuelta a Espania teilnimmt. Aber gut: In der vergangenen Woche wurde, wie gesagt, der Name "NetApp" schon mal von Menschen geschrieben, gelesen, gesprochen und gehört, die vorher gar nicht wussten, dass es dieses Wort überhaupt gibt. Das ist ja schon einmal ein erster Erfolg.
Beste GrĂĽĂźe
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