IT-Fachhandel: "Nachrichten über mein Ableben sind stark übertrieben"
Jetzt in den schwierigen Zeiten taucht es wieder auf, das Wehklagen darüber, dass der IT-Fachhandel stirbt. Manch einer meint sogar schon, dass er bereits tot sei. Diese Meldungen sind, wie die Überschrift sagt, "stark übertrieben".
Liebe IT-Fachhändler,
bei den Kollegen von ChannelPartner diskutierten gerade einige Händler über den Zustand des deutschen IT-Fachhandels. Schon die Überschrift der Diskussion zeigt, worum es geht: "Sterben Computerläden aus?" heißt es dort. Interessant ist, dass die Frage fast durchweg bejaht wird. Einer fragt: "Stirbt der Fachhandel?" und gibt auch gleich die Antwort: "Ja, er stirbt."
Irgendwie hat es die Branche mit dem Totsagen. Vor mehr als zehn Jahren schon wurde der PC für tot erklärt. Tatsächlich ist er heute lebendiger als je zuvor, in der Form des Notebooks ist er sogar noch viel "persönlicher" (Personal Computer) geworden.
Was ich komisch finde, ist, dass IT-Händler jetzt selbst den Fachhandel für tot erklären. Wenn Händler selbst darüber jammern, dass der IT-Fachhandel ausstirbt, dann steht es offensichtlich schlecht. Aber ist es wirklich so schlimm? Nein! Sicher ist: Händler verschwinden. Das aber ist nichts Neues, das war schon immer so. Vor Kurzem ist mir eine Studie über die 100 wichtigsten Personen im IT-Handel aus dem Jahr 2001 wieder in die Hände gefallen. Eine aufschlussreiche und interessante Lektüre: Nicht nur sind viele Manager von damals heute nicht mehr aktiv, auch zahlreiche Unternehmen sind in der Versenkung verschwunden.
Aber ist es wirklich so, dass "DER" IT-Fachhandel stirbt? Oder er gar schon tot ist? Und wenn, dann würde ich wirklich gerne mal wissen, woran er denn gestorben ist? ("Frau Müller, ich habe gehört, ihr Mann ist tot, woran ist er denn gestorben?" "An der Grippe." "Na wenigstens nichts Ernstes.") Ich denke, mit dem angeblichen Tod des IT-Fachhandel ist es wie bei Mark Twain (Schriftsteller) und später Steve Jobs (Apple): "Nachrichten über mein Ableben sind stark übertrieben."
Handel ist Wandel, heißt es. Und wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit. Deshalb verschwinden Unternehmen oder sie sterben, auch IT-Händler. So ist der Welten Lauf. Firmen entstehen, Firmen vergehen. Dass ein anderer Eindruck entsteht, liegt daran, dass die Medien immer nur über die Insolvenz oder auch die Übernahme eines großen Unternehmens umfassend berichten, wohingegen wir über die Gründung einer kleinen Firma naturgemäß keine Zeile lesen. (Ist bei Menschen genauso: Wenn ein berühmter Mensch stirbt, sind die Zeitungen voll davon, wenn aber ein berühmter Mensch geboren wird, kriegt das keiner mit.) Auch Microsoft war mal ein kleines Startup-Unternehmen mit einer Handvoll Leuten, und HP wurde bekanntlich in einer Garage gegründet. Und ob man´s glaubt oder nicht: Auch Media-Markt ist nicht als Marktführer gegründet worden.
Leute, haltet den Ball flach! Dass einzelne Firmen aufgeben müssen, bedeutet nicht, dass "DER" IT-Fachhandel stirbt. Das wird er nicht. Warum sollte er auch? Der IT-Fachhandel hätte unter zwei Bedingungen keine Existenzberechtigung mehr: 1. Es werden keine Computer und das ganze Gerümpel mehr gekauft. 2. Die Hersteller machen den Vertrieb und After-Sales-Support komplett selbst. Beide Bedingungen werden auf Sicht nicht eintreten.
Beste Grüße
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