Tragbare Exoten
Seit Jahren fordert die Linux-Community Notebooks mit vorinstalliertem Linux, doch die Hersteller tun sich schwer, diesen Kundenwunsch zu erfĂĽllen. Wo liegt das Problem?
Wir fragten den Notebook-Experten und Inhaber des Linux-Laptop-Versands Xtops.DE, Werner Heuser, warum Notebooks mit Linux so selten angeboten werden.
c't: Seit Jahren fordert die Linux-Community Notebooks mit vorinstalliertem Linux, doch die Hersteller tun sich schwer, diesen Kundenwunsch zu erfĂĽllen. Wo liegt das Problem?
Heuser: Man kann über die Geschäftspolitik und die Preiskalkulation der Laptop-Hersteller nur spekulieren, da es dazu keine offiziellen Aussagen gibt. Ich vermute wirtschaftliche Hintergründe. Sobald die Hersteller mit vorinstalliertem Linux auf ihren Laptops Geld verdienen können, wird es ein entsprechendes Angebot geben. Davon sind wir aber in Zeiten sehr enger Margen noch weit entfernt.
Die geringen Margen dürften kaum Spielraum bieten, dauerhaft die Entwicklung vorkonfigurierter Linux-Laptops zu finanzieren. Wahrscheinlich haben auch Kompensationsgeschäfte mit den Herstellern von Zusatzsoftware, die jedem Laptop heute beiliegt, Einfluss auf die Kalkulation. Für jeden Virenscanner, jede Firewall und jedes Hilfsprogramm für den Internetzugang, welches beigepackt wird, dürften sich die Hersteller entlohnen lassen.
Dieses Geschäft fällt bei einer Linux-Ausstattung er stmal weg. Den entscheidenden Beitrag zur Kalkulation dürften aber Exklusivverträge mit Microsoft leisten. Es ist, mit seltenen Ausnahmen, einem deutschen Endverbraucher derzeit nicht möglich, ein Marken-Laptop ohne vorinstalliertes Betriebssystem aus Redmond zu kaufen. Einige Mitglieder der Linux-Community bezeichnen diese Zwangsabgabe daher sarkastisch als "Microsoft-Steuer".
Doch auch bei geringen Margen könnte die Entwicklung von Linux-Notebooks wirtschaftlich sinnvoll sein, wenn die Märkte den Absatz großer Stückzahlen gewährleisten. Weltweit werden in diesem Jahr etwa 100 Millionen Laptops hergestellt und verkauft. Ohne eine genaue Marktanalyse ist es nicht möglich, festzustellen, wie viele davon sich mit vorinstalliertem Linux verkaufen lassen. Die Anzahl potenzieller Käufer ist nach meinen Erfahrungen noch recht gering. Auch dürften die Ansprüche der Käufer an die Linux-Distribution recht heterogen sein. Neben den fünf großen Linux-Distributionen Debian, Gentoo, Suse, Mandriva und Red Hat steht eine große Anzahl kleinerer zur Auswahl. Für den Anfang könnte sich ein Hersteller sicher auf eine der großen Distributionen konzentrieren, kann aber dadurch kaum alle Interessenten erreichen. Damit verkleinert sich der potenzielle Käuferkreis weiter.
Eine gesetzliche Regelung könnte einen Ausweg aus diesem Dilemma bieten. Die Bündelung von Hardware und Betriebssystem schränkt die Wahlmöglichkeiten der Käufer stark ein und verhindert einen fairen Wettbewerb zwischen den Betriebssystemen. Ein erster Schritt in diese Richtung wäre eine gesetzliche Regelung oder eine höchstrichterliche Entscheidung zur Rückerstattung der Lizenzgebühren für das Betriebssystem. Bis dato beruht eine Rückerstattung auf der Kulanz der Hersteller und erfolgt nur in seltenen Ausnahmen. Eine solche Regelung käme nicht nur der Linux-Community zugute, sondern auch vielen Firmen mit einer Firmenlizenz für Microsoft Betriebssysteme. Diese Firmen zahlen mit jedem erworbenen Laptop doppelt.