Tragbare Exoten
Seite 5: Installationsaufwand
c't: In Ihrem Online-Shop bieten Sie Laptops mit vorinstalliertem und auf den Kunden angepasstem Linux an. Wie viel Arbeit steckt in einem solchen Gerät, bis alle Treiber installiert sind und das Notebook ausgeliefert werden kann?
Heuser: Manche glauben, die Installation von Linux auf einen Laptop sei nur etwas für Spezialisten. Das stimmt so nicht, eine Linux-Installation ist kein Geheimnis. Es gibt viele Informationsquellen und Foren, in denen man sich informieren kann. Am besten schon vor dem Kauf. Alle großen Linux-Distributionen bieten spezielle Mailing-Listen und Wikis für Laptops. Aber eine vollständige Installation, bis wirklich alles funktioniert oder bis zumindest klar ist, welche Laptop-Komponenten nicht mit Linux funktionieren, erfordert einigen Aufwand. Die Fallstricke beginnen schon bei der Installation. Von welchem Medium bekommt man Linux auf ein Subnotebook ohne optisches Laufwerk? Wohin mit der versteckten Wiederherstellungspartition? Auf einigen Laptops ist ein Stand-alone-Mediaplayer auf einer separaten Partition installiert, wie stellt man sicher, daß der Mediaplayer auch nach der Linux-Installation noch funktioniert? Was tun, wenn der Bildschirm schon nach den ersten Installationsschritten dunkel wird? Im Laufe der Installation ergeben sich meist eine Menge weitere Fragen. Die Suche nach den Antworten ist nicht immer einfach. Wählt man die falschen Suchbegriffe, findet man die gebrauchte Information nicht. Manche Dokumentation ist veraltet oder unvollständig, oder nur für Linuxer mit mehr Erfahrung geeignet. Nicht jeder ist in der Lage, einen Kernel selber zu kompilieren.
Auch unsere Kunden sind im Allgemeinen Linux-Experten und in der Lage, selber zu installieren. Sie möchten sich jedoch den Zeitaufwand sparen. Unsere Installation dauert etwa zwei Tage, da wir immer eine individuelle Konfiguration machen. Außerdem zwingt uns der schnelle Fortschritt bei der Entwicklung der Laptop-Hardware, immer die aktuellsten Linux-Komponenten zu verwenden. Das heißt, bei unseren Debian/GNU-Linux-Systemen setzen wir immer die Entwicklerversion ein. Bei Suse-Linux-Systemen werden immer die neuesten Patches eingespielt. Der Kernel wird auf dem neuesten Stand aus dem Stable-Zweig gehalten. Nur so profitieren unsere Kunden von den ständigen Verbesserungen im Bereich des Power-Managements und der Treiber für Laptop-Komponenten. Gelegentlich muss auch ein X11 aus dem CVS von Xorg eingesetzt werden. Mit dieser Installationspolitik bietet jede Installation neue Überraschungen für uns und kostet entsprechend Zeit. Ein weiterer Teil der Zeit wird in die Dokumentation von Installationsberichten investiert, die bei TuxMobil.org der Linux-Community zur Verfügung gestellt werden.