Zukunftsforschung

Für sie ist die Prognose nur noch eine von mehreren Sichtweisen auf die Zukunft. Dennoch haben wir den Blick auf 2018 gewagt. Denn nur, wer rechtzeitig über die Möglichkeiten der Zukunft nachdenkt, wird nicht von ihr überrumpelt.

vorlesen Druckansicht
Lesezeit: 2 Min.

Während auf der Erde Roboter für die Müllabfuhr eingesetzt werden, arbeitet ein zehnköpfiges Menschenteam auf dem Mond an einer künstlichen Atmosphäre. Unterdessen kommen ihre Kollegen gerade von der ersten bemannten Mars-Mission zurück. Angst vor medizinischen Notfällen brauchten sie nicht zu haben, denn Diagnosen können jederzeit vom Computer erstellt werden, und zur Not werden Organe einfach durch künstliche Ersatzteile ausgetauscht. Sieht so die Zukunft aus? Nein, höchstens ihre Vergangenheit: So stellten sich 348 handverlesene Wirtschaftswissenschaftler, Ingenieure, Mathematiker und Physiker im Jahr 1960 die Welt in den 1990er-Jahren vor. Mit solchen Fehlprognosen waren sie nicht allein: „So gut wie alle Prophezeiungen der Futurologie der 50er- und 60er-Jahre hielten der Realität nicht stand“, schreibt Matthias Horx, Deutschlands wohl bekanntester Zukunftsforscher, in seinem „Zukunftsmanifest“.

Seit den Anfängen der Futurologie Mitte des letzten Jahrhunderts haben die Berufsseher ihr Instrumentarium deshalb zu einer kaum zu überblickenden Vielfalt an Powerpoint-Folien-füllenden Methoden verfeinert, in denen Indizien identifiziert, Faktoren gewichtet und Einflüsse verrechnet werden. Doch zuverlässiger sind ihre Vorhersagen dadurch nicht unbedingt geworden. „Die Erfahrung lehrt, dass es keinen zwingenden Zusammenhang zwischen Ausgefeiltheit einer Prognosemethode und ihrer Treffsicherheit gibt“, schreibt Pero Mi´ci´c, Vorstand der FutureManagementGroup AG, in seinem Buch „Das ZukunftsRadar“. Selbst der hoch angesehene Autor John Naisbitt, der den Begriff „Megatrend“ geprägt und auch ansonsten vieles richtig gesehen hat, hielt noch Anfang 1990 die deutsche Wiedervereinigung und eine gemeinsame europäische Währung für unwahrscheinlich (siehe Interview Seite 68). Und der Ausblick von 1997 auf die nächsten zehn Jahre wirkt aus heutiger Sicht oft befremdlich (siehe Seite 72).

Politiker und Manager müssen sich offenbar damit abfinden, dass die Zukunft prinzipiell unerkennbar ist. „Wäre die Zukunft vorhersehbar, könnten wir sie nicht mehr gestalten. Seien wir daher froh, dass sie nicht voraussagbar ist“, schreibt Mi´ci´c. Daraus folge, „dass Prognosegenauigkeit kein angemessener Erfolgsmaßstab ist“. Aber woran lässt sich dann die Qualität einer Zukunftsberatung ermessen, die keine überprüfbaren Aussagen mehr macht, sondern nur noch mit einer Vielfalt von Szenarien und sogenannten „Zukünften“ hantiert?... (kd)