"Wir forschen heute anders"

Prith Banerjee, Direktor der Forschungsabteilung von Hewlett-Packard, spricht im Interview mit Technology Review über die Beschleunigung im Bereich Corporate Research.

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Schneller und marktnaher wollen die HP Labs, mit 600 Mitarbeitern und sieben Standorten weltweit eine der größten Forschungsabteilungen im IT-Segment, künftig werden. Dazu wurde die Anzahl der wissenschaftlichen Projekte reduziert und die Zusammenarbeit mit den Produktabteilungen verstärkt. Als "Downsizing" sei das aber nicht zu verstehen, betont HP Labs-Direktor Prith Banerjee. Der Elektroingenieur war vor seinem Job bei HP unter anderem Dean des College of Engineering an der University of Illinois. Er sieht sich deshalb auch als Garant für Grundlagenforschung. Dennoch komme ein Konzern um eine Beschleunigung im Bereich des Corporate Research nicht herum, meinte er im TR-Interview.

Technology Review: Herr Banerjee, was war der Grund dafür, dass die HP-Labors ihren Forschungsansatz verändert haben?

Prith Banerjee: Ich habe diese Änderungen bei Strategie und Fokus deshalb initiiert, weil sich das Internet immer mehr zur dominierenden Plattform in der IT-Welt entwickelt. Das ändert auch die Art, wie wir auf Informationen zugreifen, sie miteinander teilen und wie wir untereinander kommunizieren. Auf diese Beschleunigung müssen die HP Labs mit der Entwicklung innovativer Technologien reagieren – für HP und für unsere Kunden.

TR: Wie groß sind die Unterschiede zwischen früher und heute?

Banerjee: Die neuen HP Labs konzentrieren sich auf Forschungsthemen mit großer Durchschlagskraft, von denen wir überzeugt sind, dass sie die großen Herausforderungen unserer Kunden in den nächsten zehn Jahren repräsentieren. Wir haben uns dabei auf fünf Bereiche konzentriert: Dynamische Dienste im Netz, also der Cloud, die Explosion von Informationen, die Transformation bei den Inhalten, intelligente Infrastrukturen sowie der Bereich grüne IT.

Der neue Ansatz sieht vor allem vor, dass wir künftig größere Wetten auf die Zukunft abschließen, also einzelne größere Projekte angehen statt vieler kleiner. Gleichzeitig wird der Technologietransfer beschleunigt. Wir haben außerdem ein neues "Open Innovation Office" gegründet, das die strategische Zusammenarbeit mit Universitäten, Regierungen und der Wirtschaft vertiefen soll. Das Büro wird sicherstellen, dass gemeinsam in den Bereichen gearbeitet wird, die die Forschungs- und Geschäftsziele von HP und seinen Partnern am besten erreichbar machen.

TR: Das heißt also, dass Sie sich auf größere Projekte konzentrieren, aber davon dann weniger durchführen. Wenn man etwas gemein wäre, könnte man das auch als einen Abbau von Forschungskapazitäten titulieren.

Banerjee: Dem ist aber nicht so. Was wir getan haben, ist eine Neuausrichtung unserer Forschung auf die wichtigsten Projekte. Ein Downsizing ist das aber nicht: Wir haben noch immer die gleiche Anzahl an Forschern und auch das gleiche Budget zur Verfügung. In den Fällen, in dem ein aktuelles Projekt nicht mehr weitergeführt wird oder in die Phase der Kommerzialisierung tritt, werden die betroffenen Forscher neuen Vorhaben zugeordnet. Durch die Konzentration auf insgesamt 26 "große Wetten" fühlen wir uns besser positioniert, die Probleme unserer Kunden schneller zu lösen und das dann in mehr Wachstum für HP umzumünzen.

TR: Wie haben Ihre Wissenschaftler auf den Umbruch reagiert? Können Sie sich daran anpassen?

Banerjee: Die Teams finden die neue Vision der HP Labs sehr spannend und beginnen bereits damit, die neuen Projekte umzusetzen. Natürlich bringt jede radikale Veränderung einer Organisation auch Probleme mit sich – und wir haben es hier ganz bestimmt mit einer radikalen Veränderung zu tun. Ich muss aber sagen, dass ich stolz darauf bin, wie es unseren Forschern gelungen ist, die neuen Strukturen umzusetzen. Die Leute sind glücklich darüber, an konzentrierten Projekten zu arbeiten, die eine größere Chance darauf haben, bei HP dann auch zu Produkten umgesetzt zu werden.

TR: Ist Grundlagenforschung noch wichtig?

Banerjee: Für eine Technologiefirma wie HP ganz bestimmt. Mit dem Investment, das HP in die HP Labs vornimmt, ist aber auch eine große Verantwortung verbunden. Wir müssen unsere Forschung richtig angehen. Wir müssen uns stets an den Bedürfnissen und Prioritäten von HP ausrichten, egal ob wir uns nun in einem Zeithorizont von fünf, 10 oder 15 Jahren bewegen.

HP Labs ist ein Technologietreiber für die gesamte Firma und hat einen riesigen Strom neuer Technologien und Geschäftschancen in den Konzern einfließen lassen, seit wir 1966 gegründet wurden. Bei uns wurden bahnbrechende Erfindungen wie die LED, der Thermo-Tintenstrahler, der RISC-Prozessor oder der erste tragbare Taschenrechner erfunden, von Bereichen wie Anti-Virus-Lösungen für Geschäftskunden, den kommerziellen Digitaldruck oder der Nanotechnologie, in denen wir überall führend sind, ganz zu schweigen.