Vollwaschgang auf See
Handelsschiffe stoßen völlig unreguliert große Mengen an Schwefeloxiden und Ruß aus. Dabei existiert die notwendige Reinigungstechnik längst.
- Daniel Hautmann
Rund 90000 Handelsschiffe kreuzen über die Weltmeere und blasen dabei gigantische Mengen an Feinstaub, Schwefel- und Stickoxiden in die Luft. Diese Emissionen können nicht nur Lungenkrankheiten verursachen, sondern sogar Polareis zum Schmelzen bringen: Wenn die Schiffe am Rande arktischer Gewässer fahren, legen sich Rußpartikel auf das Eis, das dadurch mehr Sonnenlicht absorbiert. „Schiffsemissionen modifizieren das Wetter auf globalem Level”, sagt Jørn Winkler vom niederländischen Maritim-Unternehmen DK Group.
Die „Pride of Kent” – eine Kanalfähre, die sechsmal täglich zwischen England und Frankreich pendelt – zeigt, dass es auch anders geht: In ihrem Abgastrakt wäscht seit 2005 in mittlerweile rund 16000 Betriebsstunden ein sogenannter „Scrubber” Schwefeldioxid und Feinstaub aus. Auch das Kreuzfahrtschiff „Zaandam”, das bis Alaska fährt, ist seit 2007 mit einem Scrubber ausgerüstet, der mittlerweile rund 4000 Betriebsstunden auf dem Buckel hat. Beides sind Versuchsinstallationen des britischen Herstellers Krystallon. „Die Tests haben eine Reduktion der Schwefeloxid-Emissionen um 99,5 Prozent und der Feinstäube um bis zu 90 Prozent gezeigt”, zieht Krystallon-Geschäftsführer Chris Leigh Jones eine erste Bilanz. Neben Krystallon arbeiten auch der Schweizer Schiffsmotorenhersteller Wärtsilä, das dänische Unternehmen Clean Marine AS, die Kanadier von Marine Exhaust Solution und das Troisdorfer Ingenieurbüro Reither an Scrubbern, die teilweise ebenfalls schon auf Testschiffen unterwegs sind. Aus gutem Grund: Die Zeiten, in denen Schiffe weitgehend unreguliert Schadstoffe ausstoßen konnten, sind bald vorbei. Bislang müssen Seefahrzeuge nur in wenigen Gebieten wie der Ostsee, der Nordsee oder dem Ärmelkanal bestimmte Abgaswerte einhalten. Im vergangen Herbst aber entschied die International Maritime Organisation (Imo), die Vertretung der seefahrenden Welt, Emissionen künftig auch in internationalen Gewässern... (bs)