Fabrik der Zukunft
Doch je ausgeklügelter die Technik, desto wichtiger wird auch der Mensch, um die komplexen Produktionsabläufe flexibel zu halten. Das haben nicht nur Großkonzerne wie Porsche erkannt, sondern auch Mittelständler.
Die wohl modernste Fabrik Deutschlands produziert nichts als gefärbtes Wasser. In einer Halle in einem kleinen Gewerbegebiet bei Kaiserslautern gurgeln Mischer und Ventile, surren Pumpen und Förderbänder, schwenken Greifarme hin und her – nur um schließlich eine bunte Flüssigkeit in handelsübliche Seifenspender abzufüllen.
Doch der wahre Zweck dieser Anlage ist ein höherer. 2005 gründete das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) gemeinsam mit einer prominenten Liste von Industriepartnern wie Bosch, Bayer, BASF, SAP und Siemens die „Smart Factory“ als herstellerunabhängiges Versuchslabor, in dem das Zusammenspiel moderner Fabrikkomponenten unter realistischen Bedingungen erforscht und verbessert werden soll.
Und das ist dringend nötig, denn die Automatisierungstechnik hat sich in eine Sackgasse manövriert. Produktionsanlagen sind heute ein derart undurchdringliches Dickicht aus Datenformaten, Übertragungsprotokollen, Schnittstellen und Software-Hierarchien, dass sie in ihrer Komplexität kaum noch zu beherrschen sind. Das kann gut gehen, wenn es vor allem auf große Stückzahlen ankommt. Doch der Weltmarkt, in dem die deutschen Hersteller im harten Wettbewerb mit den Schwellenländern wie Indien, China, Brasilien oder Portugal stehen, stellt mittlerweile ganz andere Anforderungen. „Wir werden den Markt nicht über die Kosten zurückbekommen, sondern nur mit intelligenten, individualisierten Produkten und intelligenter Produktion“, sagt Professor Eckart Uhlmann, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik in Berlin.
Vor allem zwei Trends sind es, die der herkömmlichen Massenfertigung das Wasser abgraben: größere Variantenvielfalt und kürze Produktlebenszyklen. Besonders deutlich lässt sich das in der Autobranche beobachten: Beschränkte sich die Auswahl bei einem Modell in den siebziger Jahren noch auf ein paar Motoren, Farben und Ausstattungsdetails, summieren sich die möglichen Versionen eines BMW X3 auf sage und schreibe 90000 (s. S. 65). Wurden Automodelle in den Siebzigern und Achtzigern noch neun Jahre oder länger gebaut, steht heute oft schon nach sieben Jahren der Nachfolger bereit. Die fünfte Golf-Generation brachte es gar nur auf fünf Produktionsjahre.
Weitere Sorgen bereitet die schwankende Nachfrage. „Wir hatten hier mal ein Gespräch mit einem Handy-Hersteller“, sagt Professor Detlef Zühlke, Leiter der Smart Factory und des Zentrums für Mensch-Maschine-Interaktion am DFKI. „Dabei kam heraus, dass er im Prinzip alle drei Wochen die Produktion umbauen müsste, weil sich die Verkaufszahlen ändern.“ Gefragt ist also eine Produktion, die schnell und flexibel auf den Markt reagieren kann. Mit konventioneller Technik geht das... (kd)