Fitness-Software erfasst Kalorien und Aktivitäten
Viele unterschiedliche Smartphone-Apps sollen Nutzern dabei helfen, gesĂĽnder zu leben. Ein neues Produkt holt sie bei ihren Gewohnheiten ab und versucht, sie langsam an einen gesĂĽnderen Alltag heranzufĂĽhren.
- Rachel Metz
Viele unterschiedliche Smartphone-Apps sollen Nutzern dabei helfen, gesĂĽnder zu leben. Ein neues Produkt holt sie bei ihren Gewohnheiten ab und versucht, sie langsam an einen gesĂĽnderen Alltag heranzufĂĽhren.
Eine Gruppe von Forschern hat eine App entwickelt, die es einfacher machen soll, mehr für die eigene Gesundheit und Fitness zu tun und sich auch wirklich daran zu halten. Sie registriert, wo und wann Nutzer aktiv sind oder ruhen und was sie essen. Die App mit dem Namen MyBehavior bietet zudem tägliche Listen mit Vorschlägen zu Aktivitäten und Ernährung sowie Angaben dazu, wie viele Kalorien das verbrennen oder einsparen würde.
Schon vorher gab es reichlich Smartphone-Apps, die physische Aktivitäten und Kalorien erfassen; viele davon, etwa die von Fitbit oder Jawbone, nutzen zusätzlich ein Fitness-Armband oder eine Smartwatch. Trotzdem kann es sehr schwierig sein, mit den eigenen Gewohnheiten zu brechen. Laut Tanzeem Choudhury, Associate Professor für Informatik an der Cornell University und eine der Forscherinnen hinter MyBehavior, versucht die App, erreichbare Ziele vorzuschlagen, die zu den Gewohnheiten des Nutzers passen, statt ihn mit Informationen zu bombardieren. Außerdem passe sie sich an, wenn sich die Gewohnheiten ändern.
Choudbury und ihre Kollegen von Cornell und Michigan State University haben an MyBehavior mehr als zwei Jahre lang gearbeitet und die Software vor kurzem mit 16 Personen über 14 Wochen getestet. Im Durchschnitt verbrannten Nutzer der App 45 Kilokalorien mehr am Tag und aßen 150 Kilokalorien weniger. Zusammen macht das 1.365 Kilokalorien pro Woche, erklärt Choudbury.
Nach ihren Angaben soll MyBehavior im September veröffentlicht werden. Der Anlass ist die Präsentation der Studie auf dem Konferenz UbiComp für allgegenwärtiges Computing in Japan.
Mit Hilfe von Beschleunigungsmesser und GPS-Modul im Smartphone erfasst die App automatisch die Aktivitäten Laufen, Gehen und Sitzen. Auf Grundlage dieser Daten generieren Algorithmen Vorschläge, auf die der Nutzer vermutlich eingehen wird. Wenn man zum Beispiel mehrmals pro Woche zu Fuß zur Arbeit geht, aber nur einmal ins Fitnessstudio, würde die App versuchen, weiter zu den Fußwegen zu ermuntern. Sie würde erklären, wie viele Kalorien man auf diese Weise verbrennt und mitzählen, wie oft man das zuletzt gemacht hat. Gleichzeitig würde sie dem Nutzer nahelegen, öfter ins Studio zu gehen. Wenn jemand sechs Stunden am Tag im Büro sitzt, könnte der Vorschlag lauten, jede Stunde ein paar Minuten zu gehen, ebenfalls mit Angaben zum Kalorienverbrauch.
Um ihre Ernährung zu erfassen, können Nutzer ihre Mahlzeiten fotografieren und auf den Server von MyBehavior laden. Die Bilder gehen dann an menschliche Arbeiter bei Amazon Mechanical Turk, die (mit Hilfe einer Liste der am häufigsten gewählten Lebensmittel von Nutzern der Mobil-App MyFitnessPal) feststellen, wie viele Kalorien sie ungefähr enthalten und wie sie im Vergleich zu anderen Gerichten abschneiden. Die App liefert auch Alternativvorschläge. Wenn jemand viele Burger bei McDonald's isst, könnte sie vorschlagen, das lieber zu unterlassen, und eine andere Option nennen, die für diese Person ebenfalls in Frage kommt.
MyBehavior wertet jeweils die Aktivitäten und Mahlzeiten des Nutzers in der vergangenen Woche aus. Choudboury ist der Meinung, dass das genügend Daten sind, um die Gewohnheiten einer Person zu erkennen. Gleichzeitig sei dadurch eine Anpassung an mögliche durch die App ausgelöste Änderungen möglich, so dass neue Lebensmittel und Aktivitäten vorgeschlagen werden.
"Dieser adaptive Charakter hilft Ihnen dabei, die Leiter in Ihrem eigenen Tempo zu erklimmen", sagt die Professorin.
Korrektur: In einer frĂĽheren Version des Textes hieĂź es im dritten Abschnitt, dass "Nutzer der App 45 Kalorien mehr am Tag verbrannten und 150 Kalorien weniger aĂźen. Zusammen macht das 1.365 Kalorien pro Woche". Hier sind natĂĽrlich Kilokalorien gemeint. Wir bitten, diese Verwechslung zu entschuldigen. (sma)