Reha-Roboter für Schlaganfall-Patienten

Mit langer Krankengymnastik können Schlaganfall-Geschädigte ihre Bewegungsfähigkeit zurückgewinnen. Dabei kommen zunehmend auch Roboter zum Einsatz

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Von
  • Eric Bender
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Jedes Jahr haben allein in den USA 700.000 Menschen einen Schlaganfall. 75 Prozent der Betroffenen überleben, aber jeder zweite davon ist anschließend teilweise gelähmt. Der Genesungsweg der Patienten ist lang und schwierig, weil sie wieder lernen müssen, etwa einen Arm oder ein Bein zu benutzen. Die alten Bewegungsabläufe müssen immer und immer wieder mit einem Krankengymnasten geübt werden.

Doch das ist teuer - und die Versicherungen zahlen immer weniger. "Als ich angefangen habe, kamen die Leute drei bis fünf Monate", so Susan Fasoli, eine Krankengymnastik-Expertin am MIT, "nun haben wir Glück, wenn wir die Patienten drei Wochen hier haben".

Je kürzer die Therapie, um so geringer ist die Chancen auf Heilung. "Je länger und intensiver die Therapie ist, um so größer sind die Chancen, die Bewegungsfähigkeit nach einem Schlaganfall wieder herzustellen", sagt Richard Mahoney, Präsident von Phybotics aus Westmont in New Jersey, dessen junges Unternehmen Medizinroboter herstellt. Die Versicherungen teilen den Patienten aber oft mit, dass ihre Therapie beendet ist, wenn sie nur einseitig wieder hergestellt sind. Auch ist die Konzentration auf einzelne Bewegungsabläufe oft nicht der ganzheitlichen Genesung dienlich.

Genau hier sollen künftig so genannte Reha-Roboter zum Einsatz kommen. Sie behandeln einen Patienten so, wie das ein Krankengymnast tun würde - und das bei manchen Behandlungen äußerst effizient. So lassen sich teilweise sogar bessere Ergebnisse erzielen als bei konventioneller Therapie.

An Reha-Robotern wird bereits seit über zehn Jahren geforscht - in Europa, Asien und den USA. Derzeit tauchen sie zunehmend in den Kliniken auf. Interactive Motion Technologies aus Cambridge in den USA hat zwei Dutzend Systeme für die Armtherapie verkauft - zu Preisen zwischen 5000 und 70.000 Dollar, wie Firmenchef Robert Parlow sagt. Ein anderer wichtiger Anbieter ist Hocoma aus Staefa in der Schweiz mit einem Roboter-Gang-System, das ein Laufband enthält und Menschen wieder das Gehen beibringen kann.

Der Roboter von Interactive Motion stammt aus der Forschung der MIT-Wissenschaftler Neville Hogan und Hermano Igo Krebs. Er besteht aus einem Roboter-Arm, der sich in zwei Dimensionen bewegt und bei der Heilung der Schulter- und Ellbogen-Bewegungen hilft. Dabei wird der gelähmte Arm eines Patienten immer und immer wieder durch bestimmte Bewegungsmuster gelenkt. Die Patienten schauen dabei auf einen Bildschirm und spielen "das langweiligste Videospiel der Welt", wie Hogan, Professor für Maschinenbau und Gehirn- und Geistesforschung und Direktor am "MIT Arm Lab", erzählt. Der Roboter kann den Benutzer deutlich präziser fordern, als ein Krankengymnast - außerdem ermüdet er dabei nicht. "In einer Stunde sind so bis zu 1000 Wiederholungen möglich - viel mehr, als man von einem Krankengymnasten erwarten könnte", sagt Expertin Fasoli.