E-Government: Kleine Länder groß im Internet
Die Arbeit an Projekten für Behörden-Dienstleistungen im Internet kommt nur langsam voran - aber es gibt ein paar überraschende Ausnahmen
- Deborah Asbrand
Zum vierten Mal in vier Jahren haben Forscher an der amerikanischen Brown University internationale E-Government-Projekte untersucht. Das Ergebnis hat einerseits seine Überraschungen - so rangieren etwa Togo und Monaco weit vorne. Andererseits ist der aktuelle Stand dem der vergangenen Jahre so ähnlich, dass Studienleiter Darrell West, Professor für Politikwissenschaften, sich unzufrieden zeigt.
"Jeder kriecht in seinem eigenen Schneckentempo voran - und ich meine wirklich Schneckentempo", sagt West, der das Taubman Center for Public Policy an der Brown-University leitet. E-Government sei eine "neue Sache, für die es noch keine Vorlagen zur Umsetzung gibt".
E-Government-Befürwortern zufolge soll die digitale Regierung von morgen zu ganz neuer Bürgerfreundlichkeit führen. Schlangestehen und Wartezeiten sollen der Vergangenheit angehören, Bürokratien aufgebrochen werden und die Beamten ihrem Auftraggeber - dem Steuerzahler, besser dienen. So zumindest sieht die Vision aus.
Browns Forscher untersuchten in diesem Sommer 1935 verschiedene Regierungswebsites aus Bereichen wie Exekutive, Gesetzgebung, Justiz, Bildung, Wirtschaft oder Außenpolitik. Manche Länder schnitten dabei relativ gut ab. So landete Taiwan auf Platz eins, weil seine umfangreiche Regierungswebsite als schmucker Einstiegspunkt für alle Abteilungen und Behörden dient. Mit wenigen Klicks gelangt man zur offiziellen Website der Hauptstadt Taipei, wo man alles findet - von Informationen zur Besteuerung von Ausländern bis hin zu einem Link zu Taxiunternehmen, deren Fahrer Englisch beherrschen. Auch die Plätze zwei (Singapur) und drei (USA) werden in der Brown-Studie wegen ihrer Portal-Seiten gelobt, die als klare Einstiegspunkte für Bürger dienen und durch das Gewirr der Behörden führen. Die Vereinigten Staaten punkteten laut Brown mit "ausführlichen Datenschutz-Informationen", Singapur ließ andere mit nützlichen und kreativen Services hinter sich: Auf der Website lässt sich Platz für ein Picknick im Parkt reservieren, und sie kann auch zur Partnersuche benutzt werden.
Deutschland rangiert in der Liste auf Platz 9 - 80 Prozent der Seiten bieten laut West elektronische Dienste an, darüber hinaus gibt es fast überall Datenbanken mit weiterführenden Informationen. Gelobt wurden außerdem breite Datenschutzinfos und das Angebot fremdsprachlicher Seiten.
Ebenfalls in den Top 10 befinden sich mittlerweile Monaco (Platz 5) und Togo (Platz 8) - diese Länder lagen im vergangenen Jahr auf den Rängen 166 und 44. Wie das kleine Herzogtum mit nur 30.000 Einwohnern und das arme westafrikanische Land größere Konkurrenten ausstachen? Laut Brwon vor allem mit ihren Diensten für Touristen. Beide Angebote werben für sich als Reiseland, erklärt West. "Sie sind im breiten E-Government-Bereich weniger gut, aber in der Nische, um die sie sich kümmern, haben sie große Fortschritte gemacht." Monaco bietet beispielsweise seinen Veranstaltungskalender zum Download auf PDAs an oder erlaubt es, Tickets für die Philharmonie Monte Carlo zu buchen.