Der PC wird fragmentiert
Auch die beste Benutzer-Schnittstelle kann nicht das grundsätzliche Problem der Verständigung von Menschen mit Maschinen überwinden. Doch spezielle Geräte für einzelne Funktionen machen Missverständnisse seltener
Der Mann sieht eigentlich ganz harmlos aus: Mit Brille, blütenweißem Hemd, Nadelstreifen-Sakko und dezenter Krawatte erinnert Andrew Herbert eher an einen Angestellten aus der Bank nebenan als an einen Revolutionär. Aber der Informatiker, der seit März 2003 die Microsoft-Forschungsabteilung im britischen Cambridge leitet, vertritt radikale Ideen - zumindest wenn es um Betriebssysteme geht.
An der Brusttasche seiner Jacke klemmt bisweilen eine Kamera, in der einige dieser Ideen kristallisiert sind. Von Zeit zu Zeit blinkt ein rotes Licht an diesem Gerät. Immer wenn sich das Umgebungslicht, die Temperatur oder die Intensität seiner Bewegungen ändert, schießt die Kamera ein neues Bild. Die SenseCam sollte eigentlich Menschen mit Gedächtnisstörungen helfen - nun beschert sie Microsoft neue Erkenntnisse über die Wechselwirkung zwischen Mensch und Technik.
Um das zu demonstrieren, zeigt Herbert gern ein kleines Video. Man sieht einen der ersten Ausflüge der SenseCam vom Labor in die nahe liegende Stadt: Häuser, Straßen, Menschen und Autos - die Aneinanderreihung von Schnappschüssen wirkt wie ein Stummfilm aus den Kindertagen des Kinos. Zwischendurch wird plötzlich das Bild schwarz. Die mit der Kamera ausgerüstete Wissenschaftlerin hatte einen Laden betreten und wollte nicht, dass jemand sieht, was sie kauft. Damit die Kamera freiwillig benutzt wird, muss man sie also so konstruieren, dass man sie bei Bedarf abschalten oder in die Tasche stecken kann.
Solche Beobachtungen inspirieren die Microsoft-Forscher zu Überlegungen über soziale Aspekte der Mensch-Computer-Interaktion - ungewöhnlich für einen Konzern, dessen Software Kritiker als technikverliebt und fehleranfällig geißeln. Aber Microsoft will noch weitergehen, denn auch die beste Benutzerschnittstelle kann die grundsätzlichen Verständigungsschwierigkeiten zwischen Mensch und Maschine nicht überwinden: Spracherkennung oder die Einbeziehung von Gesten - multimodale Kommunikation heißt das im Jargon der Forschung - bewahren den Menschen nicht davor, dass er lernen muss, der Maschine beizubringen, was er eigentlich will. Auf der anderen Seite steht die Maschine, die, ohne explizit gefragt worden zu sein, den Benutzer darauf aufmerksam machen soll, was sie für ihn tun kann.