Autolos glĂĽcklich

Die Gefahr bei allen Ansätzen, die es dem Auto leichter machen: Sobald der Verkehr wieder besser zu fließen beginnt, zieht er magnetisch mehr Verkehr an, und kurz darauf steht erst recht wieder alles.

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Lesezeit: 11 Min.
Von
  • Markus Honsig
Inhaltsverzeichnis

Unklar war anfangs nur, welche Stadt die Poleposition –- im wahrsten Sinn des Wortes -- herausfahren würde: Am Ostersonntag galt München noch als Sieger, doch später meldete Stuttgart Ansprüche an, die Nummer eins zu sein, weil man schon am 72. Tag des Jahres, dem13. März, zum 36. Mal die Feinstaub- Höchstwerte der EU überschritten hätte, im Schnitt also jeden zweiten Tag und einmal öfter als erlaubt. Das Dilemma des Autos zeigt sich in der Stadt ganz besonders deutlich: Einerseits kann es im schnellen Takt einer Großstadt durchaus seine spezifischen Vorteile beweisen, ist flexibel, bequem, praktisch, immer verfügbar, ideal für den Tür-zu-Tür-Weg, für den schnellen Ortswechsel, für urbanes Leben eben bei minimalem Planungsaufwand. Und mit etwas gutem Willen lässt sich der unvermeidliche Stau als Erholungsphase interpretieren, man sitzt ja schön und klimatisiert.

Andererseits bringt die hohe Konzentration an Autos in der Stadt auch Nachteile in konzentrierter Form: Sie stinken, sie lärmen, machen schlechte Luft, verbrauchen Platz, kosten Lebensqualität, sind kurz gesagt eine echte Plage, dazu braucht es noch nicht einmal Luftreinhalterichtlinien der Europäischen Union. Man muss sich nicht sehr weit aus dem Fenster lehnen, um vorherzusagen, dass die Zeiten härter werden für den Autoverkehr in der Großstadt. Auch in deutschen Großstädten hört man inzwischen Reizworte wie Fahrverbot oder City-Maut, in anderen europäischen Metropolen längst umgesetzt. Vorläufig allerdings bemühen sich Verkehrsplaner, Autohersteller und städtische Verwaltungen, den Individualverkehr so lange und so gut wie möglich aufrechtzuerhalten.

Dynamisches Routing lautet die Zauberformel, ob nun über das Navigationssystem im Auto oder über Wechselwegweiser. Das funktioniert aber nur, wenn man über zuverlässige Echtzeitdaten zum Fahren und Stauen in der Stadt verfügt, die nicht wie heute eher bruchstückhafte Einzelbilder, sondern ein verlässliches und aktuelles Gesamtbild liefern. Um solche Echt- zeitdaten zu gewinnen, werden unterschiedlichste Technologien eingesetzt: Infrarotsensoren, Videokameras, Messschleifen in den Straßen. Die Probleme: hohe Investitionskosten, um eine Großstadt abzudecken, und teilweise auch hohe Kommunikationskosten, um die Daten in die Verkehrszentrale zu schicken.