Das Rennen um WLAN in den Städten
Hunderte Städte und Gemeinden in den USA bereiten drahtlose Internet-Versorgung für ihre Bewohner über WLAN vor, bald könnten ihre Bemühungen illegal werden.
- Eric Hellweg
Wer an einen Umzug oder auch nur eine Städtereise in die USA denkt, kann schon mal einen weiteren Punkt in die Checkliste für das Ziel aufnehmen: Bietet die Stadt drahtlosen Internet-Zugang an? Und immer öfter wird die Antwort auf diese Frage "ja" lauten.
Im August haben mit San Francisco und New Haven in Connecticut zwei weitere große US-Städte einen Schritt in Richtung eines eigenen WLAN-Dienstes getan: Sie haben Ausschreibungen für die Technologie-Lieferanten gestartet und Berater für die Umsetzung engagiert. Und Philadelphia, die erste größere US-Stadt mit einer kommunalen WLAN-Initaiative, hat bekanntgegeben, dass die Suche nach einem Internet-Provider auf zwei Anbieter eingeschränkt wurde: Earthlink und Hewlett-Packard. Der Dienst solle "Mitte Oktober" starten, sagt Dianah Neff, die bei der Stadt für IT zuständig ist.
Tatsächlich bereiten mittlerweile 300 Städte und Gemeinden in den USA eigene WLAN-Initiativen vor; vor nur eineinhalb Jahren gab es noch kaum eine. "Verrückt" nennt Greg Richardson, Gründer der Städte-Beratungsfirma Civitum, diese Entwicklung bisweilen.
"Im vergangenen Jahr gab es eine Menge Tests von kleineren Gemeinden", sagt Richardson, "in diesem Jahr hat die Zahl der größeren Städte zugenommen, und auch die Geschwindkeit, mit der die Projekte vorangetrieben werden. Die Städte würden allmählich erfahrener und effizienter bei ihren WLAN-Vorhaben.
Die Vereinigung von Bürger-Service und einer heißen Technologie wird von einer Reihe von Faktoren begünstigt. Zum einen wären da die stetig sinkenden Kosten für WLAN-Hardware und -Software; Jupiter Research schätzt die Kosten für Aufbau und Betrieb über fünf Jahre jetzt auf 150.000 Dollar pro Quadratmeile. IT-Chefin Neff aus Philadelphia setzt sie noch niedriger an: eher bei 70.000 bis 100.000 Dollar pro Quadratmeile.
Zweitens ist die Breitband-Penetration auch in den USA deutlich gestiegen - im Herbst 2004 erstmals auf ĂĽber 50 Prozent. Damit gelte eine schnelle Internet-Verbindung zunehmend als unverzichtbar, sagt Richardson.
Drittens haben viele Städte die örtlichen Telcos darum gebeten, Breitband auch in arme oder schwer zugängliche Gegenden zu bringen - und sind dabei gescheitert. "Die digitale Spaltung ist lokal. Wir dürfen im 21. Jahrhundert nicht einfach Kinder und ganze Familien von der technischen Entwicklung abschneiden.", sagt Neff.
Und viertens müssen sich die Kommunen beeilen, ihre WLAN-Dienste ans Laufen zu bekommen - bevor sie nämlich verboten werden: Schon als Philadelphia im Frühjahr 2004 seine Pläne bekanntgab, protestierte der örtliche Telecom-Provider Verizon energisch. Die beiden Seiten fanden eine Einigung; das aber erst, nachdem der Senat des Bundesstaates ein Gesetz verabschiedet hatte, nach dem alle Gemeinden in Pennsylvania bis zum 1. Januar 2006 WLAN-Projekte starten dürfen. Nach diesem Stichtag muss das Projekt zunächst dem örtlichen Telco-Provider angeboten werden. In insgesamt 20 Staaten werden ähnliche Regelungen debattiert.