Raumkontrolle im Gewerbepark

Das deutsche Houston liegt in Darmstadt. Gleich hinter dem Bahnhof. Zumindest ein Stückchen davon. In der Robert-Bosch-Straße residiert das Satellitenkontrollzentrum der europäischen Raumfahrtagentur ESA.

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Das deutsche Houston liegt in Darmstadt. Gleich hinter dem Bahnhof. Zumindest ein Stückchen davon - aber es ist gut versteckt. In der Robert-Bosch-Straße residiert das Satellitenkontrollzentrum der europäischen Raumfahrtagentur ESA. Trotz Besucherplattform, von der Decke hängendem Satelliten, Glas, Stahl und Beton: Der gesamte Komplex hat wenig von Cape Caneveral, Tor ins All, "to boldly go, where no man has gone before" - die Anlage wirkt eher funktionial und sachlich.

Und sie ist gut abgeschirmt, denn das Gelände ist exterritorial wie die Botschaft eines fremden Staates: Wer hier rein will, kommt nicht ohne Sicherheitsüberprüfung durch das Tor, muss seinen Ausweis abgeben und auf einem Formular penibel Eintrittszeitraum und Kontaktperson vermerken. Hier im Europäischen Space Operation Center(ESOC) laufen die Fäden zusammen - aus Darmstadt werden von rund 250 fest angestellten und 450 Mitarbeiter von Vertragsfirmen die Satelliten der europäischen Raumfahrtagentur ESA gesteuert.

14 Missionen hat die ESOC im All -- 55 Missionen erfolgreich hat sie von hier aus erfolgreich gesteuert. In Kürze kommt die 15te dazu -- wenn alles gut geht. "Wir haben bei ESOC noch nie eine Raumsonde verloren", sagt Missionsanalytiker Michael Kahn voller Stolz. "Im Gegenteil, wir haben bereits aufgegebene Raumsonden wieder zum Erfolg gebracht". Leider passieren dennoch Unfälle, bevor die ESOC den Satelliten oder die Raumsonde übernimmt; wie Anfang Oktober als der Satellit Cryosat statt in die Erdumlaufbahn einzuschwenken ins Polarmeer gestürzt ist, oder als der Mars-Lander Beagle auf dem Weg vom Orbit auf die Oberfläche des roten Planeten quasi im Zieleinlauf verloren ging.

Trotzdem, ihre Erfolgsbilanz will sich die ESA nicht schlecht reden lassen. "Die Europäer haben manchmal einen Hang zur Selbstkritik, den die Amerikaner nicht haben", lächelt ESA-Sprecherin Jocelyne Landeau-Constantin. "Der Beagle wäre das Sahnehäubchen gewesen, aber die Struktur und der Geschmack des Kuchens waren schon sehr gut. Wir haben eine Mars-Express-Mission, die hervorragend läuft. Wir haben 150 Millionen Euro ausgegeben und Daten bekommen, die die Wissenschaftler die nächsten 15 Jahre beschäftigen werden".