Modellflug-Automatik anno 1917
Die bisherige Geschichtschreibung des Modellflugwesens datiert die Entwicklung der Selbststeuerung auf die 1930er Jahre. Wie der Make-Autor Burkhard Fleischer jetzt wiederentdeckt hat, setzte diese Entwicklung aber schon fast zwei Jahrzehnte früher ein, mitten im ersten Weltkrieg. Er stieß auf die Patentschrift "Lenkvorrichtung für Flugmodelle" von Otto Dahlhelm aus dem Jahr 1917, die zwischenzeitlich völlig in Vergessenheit geraten war.
- Burkhard Fleischer
Der erste Teil des Artikels widmet sich den Grundlagen und den Ansätzen, von Gummimotoren betriebene Flugmodelle selbsttätig zu steuern. Der hier folgende zweite Teil beschreibt das benzingetriebene Flugmodell mit den vier automatischen Steuerungsfunktionen aus dem Jahr 1917 im Detail.
Die ersten Verbrennungsmotoren
Um sich von der Begrenztheit des Gummiantriebs zu befreien, schielten die Modellbauer neidisch auf die großen Vorbilder: Für die großen Flugzeuge wurden leichte Flugzeugmotoren entwickelt, die es ermöglichten, scheinbar unendlich lange in der Luft zu bleiben. Riesige Strecken wurden zurückgelegt.
Die spektakulären Erfolge weckten auch bei den Modellfliegern Begehrlichkeiten nach einem leichten Benzinmotor für ihre Apparate. So erwähnt Bigenwald in seinem frühen Standardwerk einen Benzinflugmodellmotor aus dem Jahre 1907 (P.L. Bigenwald, Flugzeug-Modellbau, Berlin 1917, Erstauflage 1913, S. 98ff). Ferner stellt er unter anderem Flugmodell-Benzinmotoren der Firmen Braune und Sirius vor. Weidner datiert den ersten Benzinmotor für Flugmodelle gar auf das Jahr 1903 (Matthäus Weidner, Flugmodelltechnik, Baden-Baden 1987, S. 74).
Diese Wunderwerke der Technik kosteten allerdings ein kleines Vermögen. Weidner nennt einen Betrag von 150–250 Goldmark – ein Betrag, für den man zur damaligen Zeit ein Grundstück hätte erstehen können (Weidner S. 16). Rechnet man diesen Betrag auf den Wert von Lebensmitteln um, so kostete ein Motor damals so viel wie 6000 Eier oder 10.000 Pfund Kartoffeln (Kaufkraftberechnung nach http://fredriks.de/HVV/kaufkraft.php).
Die Explosion der Flugleistungen, die der Benzinmotor mit sich brachte, schuf Probleme neuer Art. Bigenwald weist bereits darauf hin, dass richtig konstruierte Motormodelle auf Nimmerwiedersehen verschwinden könnten, da die Laufdauer guter Benzinmotoren etwa 15 Minuten betragen würde (Bigenwald, a.a.O., S. 100).