Modellflug-Automatik anno 1917

Seite 2: Patentschrift "Lenkvorrichtung fĂĽr Flugmodelle" 1917

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Abb. 5: Titel der Patentschrift aus dem Jahr 1917.

Dieser Herausforderung stellte sich Otto Dahlhelm aus Halle an der Saale mit seiner "Lenkvorrichtung für Flugmodelle", wie der Titel seiner Patentschrift aus dem Jahr 1917 lautete. Sein Anliegen war es, das Modell über die Flugdauer hinweg im Gesichtsfeld des Piloten zu belassen. Seine Vorrichtung enthielt vier Funktionen, nämlich eine Richtungs- und eine Höhensteuerung, eine Motordrosselung sowie eine Thermikbremse. Allerdings waren diese Begriffe zu Dahlhelms Zeiten noch nicht geläufig.

Abb. 6: Dahlhelms Patentschrift enthält vier Lenkvorrichtungen, (1) eine Richtungssteuerung (blau/rot), (2) eine Motorbremse (durch die Taschenuhr wird die Zündung für den Motor unterbrochen), (3) eine Thermikbremse (grün) und (4) eine automatische Trimmung des Höhenruders (lila). Die Skizze ist der Patentschrift entnommen und farbig hinterlegt worden.

Die Modelle der damaligen Zeit waren häufig den großen Vorbildern nachempfunden. Die Tragflächen hatten dünne Profile und mussten mit Drähten verspannt werden, um nicht durch die Flugbelastungen abzuknicken. Entsprechend groß waren das Eigengewicht und der Luftwiderstand der damaligen Flieger. Damit sie überhaupt vom Boden abheben konnten, war eine Grundgeschwindigkeit erforderlich. Um die Startbahn zu verkürzen, flog man nur mit kräftiger Gegenbrise. Man ging davon aus, dass Fliegen nur bei kräftigem Gegenwind möglich sei.

Für die frei fliegenden Motormodelle war dies ein großes Problem: Nicht nur, dass die Modelle recht schnell waren. Flogen sie mit dem Wind, wurden sie geradezu aus dem Sichtfeld des am Boden gebliebenen Piloten weggeblasen. So kam Dahlhelm auf die Idee, sein Modell gegen den Wind S-Kurven fliegen zu lassen. Bei Segelbooten heißt dies Manöver "Kreuzen gegen den Wind".

Um das Seitenruder in bestimmten Intervallen mal nach links, mal nach rechts auszuschlagen, bedarf es mehrerer Stellgrößen: Neben der das Seitenruder betätigenden Kraft benötigt man eine Vorrichtung, die das Ruder alternierend mal nach links, mal nach rechts ausschlagen lässt. Ferner muss ein Taktgeber die Intervalllänge vorgeben.