Soziales Netzwerk im Do-It-Yourself-Verfahren

Netscape-Gründer Marc Andreessen setzt mit seinem Start-up Ning voll auf die "Web 2.0"-Karte. Die Firma lässt ihre Nutzer eigene MySpace-Klone im Miniformat bauen.

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Von
  • Wade Roush
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Man nehme Tokio, Seoul, New York, Mexico City und Bombay zusammen und mache daraus eine gemeinsame Metropole - und dennoch würde ihre Größe die Mitgliederzahl des populären Social-Networking-Dienstes MySpace nicht erreichen. Die 120 Millionen "Members", die der inzwischen zur News Corporation gehörende Anbieter laut eigenen Angaben inzwischen versammelt, lassen den Dienst insbesondere für Neulinge zu einem großen Dschungel werden.

Wem das zu groĂź ist, hat inzwischen einige Alternativen. Eine besondere dĂĽrfte das Start-up Ning aus dem kalifornischen Palo Alto sein. Die Firma wurde 2004 von der Online-Marketing-Fachfrau Gina Bianchini und dem Netscape-GrĂĽnder Marc Andreessen aus der Taufe gehoben - als Web-Anwendung, mit der man eigene kleine soziale Netzwerke aufbauen kann. "Mini-MySpace" oder " Nischen-Netz" nennt Ning sein Angebot.

Wer möchte, kann sich dort im Do It Yourself-Verfahren einen eigenen Dienst für ganz bestimmte Themen schaffen. Dazu erhält man dann eine eigene Startseite, auf der sich andere Menschen mit ihren persönlichen Profilen anmelden. Sie können dann Bilder hochladen, Botschaften untereinander versenden oder eigene Weblogs führen - Foren und weitere Kommunikationsmöglichkeiten sind ebenfalls dabei. Ning macht das alles über ein einfaches Web-Interface in wenigen Minuten möglich, ähnlich wie man es von Blog-Diensten wie Blogger, LiveJournal, Typepad oder Wordpress.com kennt.

Ning ist derart simpel zu bedienen, dass es vorstellbar wäre, dass mit dem Dienst eine ganze Generation neuer virtueller Gemeinschaften entsteht, die sich mit den feinsten Verästelungen zahlreicher Subkulturen beschäftigen. Die Macher hoffen das jedenfalls: Immerhin entstanden in einem einjährigen Betatest vor dem offiziellen Start 30.000 verschiedene soziale Netzwerke - mit den unterschiedlichsten Themen vom Bierbrauen im Keller über das Sammeln von PEZ-Spendern bis hin zu einem Dienst ganz speziell für Einwohner der Mini-Instel Curacao.

Spezielle Gruppe bieten eigentlich bereits die Standarddienste wie MySpace oder LiveJournal an. Beispielsweise treffen sich regelmäßig bis zu 5000 Nutzer bei MySpace, um sich über Schwarzweißfotografie auszutauschen. Ning geht allerdings einen Schritt weiter - man bietet neben der detaillierten Konfiguration auch direkte Kommunikation wie Live-Chats an, die es anderswo (noch) nicht gibt. Ning selbst will eine Nische im Social Networking-Ökosystem sein: Für alle, denen ein einzelnes Blog zu wenig ist, ein Forum bei einem großen Social Networking-Anbieter aber zu voll und unpersönlich.